Dazu kommen zwischen drei und vier Millionen Patienten mit einer behandlungsbedürftigen Depression. Immer mehr vorzeitige Berentungen aufgrund psychischer Erkrankungen – in NRW plus 70 Prozent in zehn Jahren: Dies sind nur einige Zahlen, die verdeutlichen, welche Herausforderungen durch psychiatrische und neurologische Erkrankungen auf das Gesundheitswesen zukommen.

Schon jetzt machen Erkrankungen des Gehirns und des übrigen Nervensystems rund ein Drittel der Krankheitsfälle in Deutschland aus – und es werden noch mehr werden. Aber es gibt auch gute Nachrichten: Viele psychiatrische und neurologische Erkrankungen lassen sich immer besser behandeln.

Allerdings führt beides zusammengenommen – die höhere Zahl der Patienten und die besseren Behandlungsmöglichkeiten – zu einem Ansturm auf die Praxen und Kliniken, den diese immer weniger bewältigen können.

Schon jetzt sind Termine rar und die Wartezeiten auf einen Facharzttermin lang, besonders in ländlichen Regionen, in denen weniger Fachärzte arbeiten. Aber auch in den Städten sind die Wartezimmer übervoll, auch weil die Praxen dort Patienten aus dem weiteren Umland mitversorgen.

Es besteht unter Experten und Akteuren des Gesundheitswesens Einigkeit darüber, dass der Versorgungsstandard in Deutschland im internationalen Vergleich insgesamt immernoch hoch ist. Wir müssen aber wissen: Die Versorgungsstrukturen und die Vergütungsanreize in der ambulanten Medizin sind insbesondere bei ZNS-Erkrankungen auf die Herausforderungen der nahen Zukunft noch viel zu wenig eingestellt.

Ein besonders wichtiger Ansatz ist Kliniken, niedergelassene Ärzte, Psychotherapeuten und andere intensiver miteinander zu vernetzen. Leider fehlen bisher Anreize für eine strukturierte und kooperative Organisation der Versorgung vor Ort.