Konkret stellt die persönliche Arbeitszufriedenheit den höchsten „Vorhersage-Faktor“ dar, ob jemand in den kommenden Monaten von Rückenschmerzen geplagt wird oder nicht. Das hängt zumindest teilweise mit dem Tonus der innersten Stabilisations-Muskeln des unteren Rückens zusammen, denn diese schalten binnen Sekunden auf „ich mag nicht mehr“, sobald man mit einer als bedrohlich oder als belastend erlebten emotionalen Situation konfrontiert ist.

Ein anderer Wirkungsmechanismus ist die Veränderung des biochemischen Milieus in den Faszien, welches bei emotionalem Stress langfristig in eine „saure“, sozusagen „pro-entzündliche“ Richtung entgleist. Durch diese stressbedingte biochemische Veränderung wird der Körper deutlich anfälliger für Schmerzen im Bewegungsapparat.

Noch eindeutiger ist die direkte Auswirkung von psychosozialem Stress auf das Immunsystem. Bei akutem Stress erhöht sich tendenziell die sogenannte „unspezifische Immunabwehr“: Die Anzahl weißer Blutkörperchen und natürlicher Killerzellen erhöht sich. Gleichzeitig wird aber die spezifische Abwehr – etwa in Form der T-Lymphozyten – gedrosselt. Das kann den Vorteil haben, dass der Körper sich bei akuten Bedrohungen noch mehr auf die unspezifische Erst-Abwehr konzentrieren kann.

Auf der Ebene der Faszien kann emotionaler Stress zu einer regelrechten „Verfilzung“ führen.

Bei chronischem Stress leidet jedoch nicht nur die unspezifische, sondern gleichzeitig auch die spezifische Immunabwehr. Dadurch sinkt die Aktivität und Gesamtzahl der Immunzellen im Blutkreislauf - das Immunsystem wird insgesamt geschwächt. So wird der Körper nachweisbar anfälliger für Krankheiten: Bakterien, Viren und Keime treffen auf geringere Abwehrkräfte. Die Forschung im Fachgebiet der Psycho-Neuro-Immunologie konnte außerdem klar zeigen, dass chronischer emotionaler Stress auch die Dauer vieler Heilungsprozesse verlangsamt und die Anfälligkeit für Krebs erhöht.

 Auf der Ebene der Faszien kann emotionaler Stress – vor allem wenn er mit einer verringerten Bewegungsaktivität im Alltag einher geht - zu einer regelrechten „Verfilzung“ führen. Während gesunde Faszien eine scherengitterartige Architektur aufweisen, beginnen die Kollagenfasern hier ungeordnet zu wuchern, benachbarte Gewebsschichten beginnen miteinander zu verkleben.

Mit hochauflösenden Ultraschallbildern lassen sich solche Verklebungen seit kurzem auch deutlich erkennen. Für eine gesunde Regeneration sollte daher nicht nur die Stressquelle oder der persönliche Umgang damit in Betracht gezogen, sondern auch für ausreichend Bewegung und einen gesunden Schlaf gesorgt werden; denn nur bei ausreichendem Schlaf kann die Kollagensynthese gesund funktionieren und das Immunsystem sich wieder erholen.