Die Betroffenen quälen sich oft jahrelang mit Empfindungsstörungen und Schmerzattacken, die sie als brennend, stechend oder elektrisierend beschreiben und die sie an die Grenzen ihrer Belastbarkeit bringen.

Was sind die Ursachen?

Nervenschmerzen sind die Folge einer Nervenschädigung. Auslöser für eine solche Störung können zum Beispiel eine Virus-Infektion mit Gürtelrose, eine Diabetes-Erkrankung oder Verletzungen sein. Auch die Einnahme bestimmter Medikamente und Alkoholmissbrauch begünstigen die Entstehung von schmerzhaften Nervenschäden.

In einigen Fällen können wir auf zusätzliche Schmerzmittelgabe ganz verzichten, andere Patienten können die Dosis ihrer Schmerzmittel stark reduzieren.

Wie wird behandelt?

Medikamente zur Linderung von Nervenschmerzen gibt es viele: Schmerzmittel, Antidepressiva, Antiepileptika und Opioide. Allen gemeinsam ist jedoch, dass sie systemisch wirken. Das heißt der Wirkstoff wird gespritzt oder als Tablette eingenommen und über den Blutkreislauf im gesamten Körper verteilt.

Unerwünschte Nebenwirkungen wie Benommenheit oder Schwindelgefühl beziehungsweise Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln beeinträchtigen den Behandlungserfolg. „Wenn der Patient durch die Nebenwirkungen der Therapie zu erschöpft ist, um soziale Kontakte zu pflegen, aber sich genau das von einer Linderung seiner Schmerzen erhofft hat, dann ist er unzufrieden“, weiß Dr. Uwe Kern, Arzt für Anästhesiologie und spezielle Schmerztherapie aus Wiesbaden.

Scharf gegen den Schmerz

Seit zwei Jahren gibt es eine neue Therapiemöglichkeit für Nervenschmerz-Patienten, die nicht an Diabetes leiden: ein Pflaster mit hochdosiertem Capsaicin, einem Inhaltsstoff der Chilischote, das genau am Entstehungsort der Schmerzen wirkt.

Das Chili-Pflaster wird unter ärztlicher Aufsicht für 30 beziehungsweise 60 Minuten direkt auf die schmerzende Stelle geklebt. Dort verursacht der hoch dosierte Wirkstoff einen vorübergehenden Funktionsverlust der Zellen, die für die Schmerzentstehung und -weiterleitung zuständig sind.

Gut wirksam, gut verträglich

Mit einer maximal einstündigen Anwendung des Capsaicin-Pflasters kann eine schnelle und effektive Schmerzlinderung für einen Zeitraum von bis zu drei Monaten erzielt werden. „Bei manchen Patienten wirkt das Pflaster sogar länger. Auch nach der dritten oder vierten Anwendung konnten wir bisher keinen Wirkverlust erkennen“, berichtet Dr. Kern.

Weil das Pflaster lokal wirkt, muss nicht mit Wechsel- oder Nebenwirkungen, die den Behandlungserfolg beeinträchtigen, gerechnet werden.

Wichtig: genaue Diagnose

Damit das Chili-Pflaster richtig funktionieren kann, muss den Schmerzen eine echte Nervenstörung zugrunde liegen. Deswegen sind eine gründliche Untersuchung und eine exakte Diagnosestellung mit ausführlicher Beratung durch einen erfahrenen Arzt unerlässlich.