Welche Zusammenhänge gibt es zwischen Epilepsie und Kognition?

Kognitive Störungen bei Epilepsie sind häufig und eher die Regel als die Ausnahme. 70 bis 80 Prozent aller in unserer Klinik seit den 80er Jahren neuropsychologisch untersuchten Patienten haben in wenigstens einem der Funktionsbereiche „Aufmerksamkeit, „Gedächtnis“ oder „Sprache“ ein Problem.

Henne-Ei-Problem – was kam zuerst?

Der Zusammenhang zwischen Epilepsie und Kognition ist komplex und nicht so einfach, wie man historisch mit einer stark anfallszentrierten Vorstellung einmal angenommen hatte. Ursprünglich hieß es, die Anfälle seien der Ursprung allen Übels und führten direkt zum kognitiven Abbau. Mit fortschreitendem Wissen um die Ätiologie der Epilepsien ist die anzunehmende Beziehung jedoch bidirektional. Kognitive Störungen können aus der Epilepsie heraus resultieren, ihr aber auch vorausgehen.

Welche Auswirkungen für die Behandlung ergeben sich?

Damit reicht es nicht aus, allein die Anfälle zu behandeln. Die moderne Behandlung wendet sich daher genauso den kognitiven Störungen und dem Verhalten zu. Im günstigsten Fall zielt die individuelle Therapie auf die Grunderkrankung ab und beeinflusst sowohl die Epilepsie als auch die Kognition in positiver Weise.

Stimulationstherapie – Sind Synergien vorstellbar?

Tatsächlich kann eine Aktivierung des Gehirns durch Verhalten und kognitive Aktivitäten epileptische Aktivität unterdrücken, Anfälle verhindern oder unterbrechen. Generell kann man sich vorstellen, dass ein Training von Hirnregionen bzw. die gezielte Anregung und Unterdrückung von Hirnfunktionen einen günstigen Effekt auf den Verlauf der Epilepsie hat.

Moderne Stimulationsverfahren für kognitive Krankheiten mit oder ohne Epilepsie?

Eine spannende Entwicklung zeichnet sich über invasive und nichtinvasive Hirnstimulationsverfahren ab. Bei Epilepsie zielen diese auf die Kontrolle anderweitig nicht zu kontrollierender Epilepsien ab. Es lässt sich aber auch ein Einfluss auf die Kognition vorstellen, einmal indirekt, über die Kontrolle der Epilepsie, die mit der Hirnfunktion interferiert, dann aber auch direkt durch eine positive Stimulation und Steigerung von Hirnfunktionen.

Vor der Epilepsie ist die Gleichstromtherapie bei Erkrankungen wie Hirntumoren, Parkinson, MS, Depression, Schlaganfall, Schmerz etc. eingesetzt worden. Sie kann kog-
nitive Leistungen unterstützen und scheint insbesondere wirksam bzgl. Lernen und Plastizität, wenn sie parallel zu einübenden Verfahren angewandt wird.

Insgesamt tun sich mit solchen Hirn-Maschine-Interaktionen neue Optionen zur Behandlung von Patienten mit Epilepsie und von kognitiven Störungen auch bei anderen neurologischen Erkrankungen auf.