Wenn es im Ohr rauscht oder pfeift, dann kann es sich um einen zentralen Tinnitus handeln.

Darunter versteht man eine Art „Fehlschaltung“ von Nervenzellen zum Beispiel im Hörzentrum. Ist die Weiterleitung akustischer Reize gestört, was zum Beispiel bei einem Hörsturz passieren kann, reagieren die Nervenzellen und täuschen dem Gehirn einen Ton vor. Dieser falsche Ton wird erlernt und wie in einer Endlosschleife permanent abgespielt. 

Keine Frage des Alters

Zunehmend sind auch junge Menschen zwischen 20 und 40 Jahren betroffen. Zu den Patienten, bei denen sich der Tinnitus bereits in jungen Jahren bemerkbar macht, zählt auch Friederike L. „Erstmals aufgetreten ist der Tinnitus im Sommer 2011. Als Auslöser vermute ich Stress“, sagt die 35-Jährige aus Norddeutschland.

Der Ton kam plötzlich und ist eines Abends einfach aufgetreten. „Erst dachte ich, da habe ich mir einen Nerv durch die schwere Arbeit im Pferdestall eingeklemmt“, berichtet die junge Frau, die täglich als Tierärztin in ganz Schleswig-Holstein unterwegs ist.

Ihre größte Angst sei es immer gewesen, tatsächlich einen Tinnitus zu bekommen, denn in ihrer Familie ist bereits ein Familienmitglied vom Ton im Ohr  betroffen. „Ich wollte es erst nicht wahrhaben, dass das jetzt auch bei mir auftritt. Dachte mir dann aber, es geht die nächsten Tage schon weg.“ 

Akustische CR-Neuromodulation 

Tinnitus ist nicht nur lästig, sondern kann den Alltag und die Gesundheit ganz entscheidend negativ beeinflussen. Schlafstörungen und Konzentrationsschwierigkeiten sind keine Seltenheit, sogar Depressionen können auftreten. Die Betroffenen brauchen ihr Leiden nicht einfach zu erdulden, sondern können aktiv dagegen vorgehen.

Neue Behandlungsansätze kommen dazu aus der Neurowissenschaft: Besonders interessant dürfte die Akustische CR-Neuromodulation sein, die als Behandlungsmethode schon erste gute Ergebnisse erzielen konnte. Wenn Nervenzellen falsche Höreindrücke lernen können, lässt sich dies nach neuesten neurowissenschaftlichen Erkenntnissen auch wieder umkehren.

Die Behandlungsmethode nutzt dies: Sie setzt in den krankhaft überaktiven Tinnitus-regionen des Gehirns an. Der Patient erhält dabei ein Therapiegerät, den T30 CR-Neurostimulator, und hört über medizinische Kopfhörer ein speziell getaktetes und individuell auf den Tinnitus des Patienten abgestimmtes Therapiesignal.

Damit wird die krankhaft synchrone Überaktivität der Nervenzellverbände gestört, der falsche Höreindruck schwächt sich ab und kann im Laufe der Zeit wieder verlernt werden.

„Frei entscheiden, wann ich therapiere“

Der Ton im Kopf von Friederike L. verschwand nicht von allein. Aus diesem Grund ging sie zu einem Hals-Nasen-Ohren-Facharzt, der sie ausführlich untersuchte. Er stellte fest, dass sie mit der Diagnose „subjektiver chronisch-tonaler-Tinnitus“ perfekt für die Akustische CR-Neuromodulation geeignet ist. „Als das OK kam, wollte ich es ausprobieren.“ Bereits nach kurzer Behandlungsdauer stellte sich eine Verbesserung ein.

Nach einigen Wochen wurde der Ton leiser und tiefer, es gab wieder Entspannungsphasen. „Ich habe gleich gemerkt, dass mir das hilft“, freut sich die Tierärztin. Nachdem sie vorher schon so einiges probiert hat, sei es das erste Mal gewesen, dass eine Veränderung aufgetreten ist.

Die Akustische CR-Neuromodulation wendet sie jetzt seit Juli 2012 an und kommt damit im Alltag zwischen Beruf und Kindern sehr gut zurecht. „Ich benutze das Gerät, wenn ich abends Wäsche mache oder manchmal sogar bei der Arbeit.“

Den CR-Neurostimulator habe die Tierärztin eigentlich immer mit dabei, er ist klein wie eine Streichholzschachtel. „Ich habe dauernd Termindruck und kann nicht noch ständig zu Therapiesitzungen fahren. Frei zu entscheiden, wann ich therapiere, ist ein echter Mehrwert.“