Wie haben Sie Ihr Team auf die Behandlung von Flüchtlingen mit psychischen Erkrankungen vorbereitet?

Grundsätzlich ist der Umgang mit diesen Patienten sowie die Behandlung ihrer seelischen Störung, seien es zum Beispiel schizophrene Erkrankungen, depressive Störungen oder Traumafolgestörungen, etwas, das zu unserem beruflichen Alltag gehört.

Das tatsächliche Ausmaß an traumatisierten Personen, ist noch schwer abschätzbar.

Hier bedarf es im Prinzip keiner besonderen Vorbereitung. Eher bereitet die rasche und sichere Diagnostik der zugrunde liegenden Erkrankung Schwierigkeiten. Neben den körperlichen und apparativen Untersuchungsmethoden sowie der Ausdrucks- und Verhaltensbeobachtung ist die psychiatrisch-psychotherapeutische Diagnostik eine sprachbasierte.

Das bedeutet: Wir sind auf die Äußerungen unserer Patienten angewiesen, die uns zum Beispiel etwas über ihr Erleben, Fühlen und Denken vermitteln. Hierin besteht für uns die besondere Herausforderung.

Viele Flüchtlinge gelten als traumatisiert, welche Art der psychischen Erkrankungen erwarten Sie?

Das tatsächliche Ausmaß an traumatisierten Personen, die später eine Traumafolgestörung entwickeln, ist noch schwer abschätzbar. Dies wird sich erst im Verlauf mehrerer Monate zeigen.

In zunehmender Zahl kommen Menschen zu uns, die von Abschiebung bedroht sind und in diesem Rahmen in seelische Krisen geraten.

Aktuell spielen neben depressiven Erschöpfungszuständen sowie Angststörungen vor allem seelische Erkrankungen eine Rolle, die schon im Heimatland vorhanden waren.

Hier sind beispielsweise psychotische Erkrankungen wie eine schizophrene Psychose, affektive Erkrankungen, aber auch Anpassungsstörungen zu nennen.

Gibt es Besonderheiten in der Behandlung, wenn Flüchtlinge von Abschiebung bedroht sind?

In zunehmender Zahl kommen Menschen zu uns, die von Abschiebung bedroht sind und in diesem Rahmen in seelische Krisen geraten. Dabei handelt es sich um depressive Anpassungsstörungen oder akute Belastungsreaktionen.

Der Aufnahmegrund liegt zumeist in einer akuten suizidalen Verfassung. Dies stellt ein besonderes Problem dar, weil es sich für uns um eine Konfliktsituation handelt, die für uns Therapeuten nicht lösbar ist.

Denn das Behandlungsziel – die Wiederherstellung der seelischen Gesundheit – hat für den betroffenen Menschen in letzter Konsequenz seine Abschiebung zur Folge. Mit diesem Konflikt sowie den unterschiedlichen Erwartungen seitens der Betroffenen und der zuständigen Behörden werden wir regelmäßig alleingelassen.