Eine übergeordnete Zielsetzung aller Angebote im Bereich der Suchtkrankenhilfe und –behandlung ist insbesondere, für jeden Betroffenen ein möglichst autonomes, gesundes und zufriedenes Leben mit einem hohen Grad an Selbstbestimmung und Selbstverwirklichung zu erreichen und seine soziale Einbindung in die Gesellschaft und seine Teilhabe am Arbeitsleben zu fördern. Es gibt hierfür eine Vielzahl von unterschiedlichen Angeboten, die von aufsuchender Arbeit bis hin zur abstinenzorientierten Entwöhnungsbehandlung reichen.

Suchterkrankungen sind in Deutschland weit verbreitet. So rechnet man – ohne Berücksichtigung der Tabakabhängigkeit – und in der Altersgruppe der 18 – 64-jährigen mit 4,61 Mio. Menschen die unter einer stoffgebundenen Abhängigkeit leiden, davon sind ca. 1,8 Mio. alkoholabhängig.

Ein grundlegendes Problem besteht darin, dass nur ein geringer Teil der Betroffenen in Deutschland frühzeitig auf seine Suchterkrankung angesprochen wird und professionelle Hilfe im Gesundheitssystem erhält. Zudem werden Betroffene häufig erst dann erreicht, wenn die Störung bereits fortgeschritten ist und erste psychische und körperliche Folgeschäden schon eingetreten sind. Dieser Umstand wiegt umso schwerer, da in Deutschland zahlreiche ambulante und stationäre Interventionsbehandlungen von Suchterkrankungen verfügbar sind und eine rechtzeitige Behandlung nachweislich die psychische und körperliche Morbidität senken kann. Eine Auswertung des Fachverbandes Sucht e.V. zeigt, dass bis zur notwendigen Erstbehandlung in einer Fachklinik für alkohol-/medikamentenabhängige Menschen im Durchschnitt ca. 12,9 Jahre vergehen.

Betroffene selbst neigen dazu, ihr Suchtproblem nicht wahrzunehmen und dieses zu verdrängen.

Darüber hinaus fallen durchschnittlich über 3 Entzugsbehandlungen im Vorfeld der Entwöhnungsbehandlung an.

Von daher ist die Früherkennung und Frühintervention in den verschiedenen Handlungsfeldern, welche mit abhängigkeitskranken Menschen zu tun haben, das Gebot der Stunde.

Hier sind insbesondere niedergelassene Ärzte/innen und Psychotherapeuten/innen, Krankenhäuser, Jobcenter und Betriebe gefragt, eine „Kultur des Hinschauens“ und des konstruktiven Umgangs mit dem Thema Abhängigkeitserkrankungen zu entwickeln. Denn die Betroffenen selbst neigen dazu, ihr Suchtproblem nicht wahrzunehmen und dieses zu verdrängen und von daher eine professionelle Hilfe bezogen auf ihre Abhängigkeitserkrankung nicht in Anspruch zu nehmen.

Häufig kommen von einer Abhängigkeit betroffene Menschen erst aufgrund somatischer (z.B. Lebererkrankung, Pankreatitis, Herz-Kreislauferkrankungen, Unfälle) und psychosozialer Folgeprobleme (z.B. Arbeitslosigkeit, Verschuldung, Familienkonflikte) in die Beratung oder eine ärztliche Behandlung und nicht aufgrund der zugrunde liegenden Abhängigkeitserkrankung. Zu einer guten Beratung und Behandlung durch die im Gesundheits- und Sozialbereich tätigen professionellen Mitarbeiter/innen gehört es von daher, das Thema einer häufig „verdeckten“ Sucht nicht auszuklammern, sondern es wahrzunehmen, anzusprechen und zur Inanspruchnahme spezifischer Suchtberatungs- und -behandlungsangebote zu motivieren.

Es gibt verschiedene Hilfeangebote, die von Selbsthilfegruppen über ambulante Suchtberatung, eine qualifizierte Entzugsbehandlung im Krankenhaus in psychiatrischen Einrichtungen bis hin zur Entwöhnungsbehandlung (medizinische Rehabilitation) und Nachsorge reichen.

Gesellschaftlich ist eine Entstigmatisierung von Sucht gefordert.

Wenn man aufgrund einer Suchtmittel-Auffälligkeit Rat und Hilfe sucht oder eine Behandlung machen möchte, sollte man möglichst rasch eine Suchtberatungsstelle vor Ort aufsuchen. Dort wird man über die verschiedenen Beratungs- und Behandlungsangebote informiert, auch der Kontakt zu Selbsthilfegruppen in der Nähe kann hergestellt werden. Außerdem erfährt man, welche Form der Suchttherapie bzw. Entwöhnungsbehandlung sinnvoll ist, und ob ggf. eine Entgiftungs-Entzugsbehandlung im Vorfeld erforderlich ist.

In manchen Fällen können schon ambulante Therapiegespräche Erfolg bringen, die mit dem Betroffenen neben seiner beruflichen Tätigkeit regelmäßig 1‐2 mal pro Woche stattfinden. Andere benötigen dagegen eine mehrwöchige stationäre oder ganztägig‐ambulante Entwöhnungsbehandlung, um das Ziel der Abstinenz zu erreichen.

Bei einer stationären Entwöhnungsbehandlung kann sich die Behandlungsdauer auf einen Zeitraum von ca. 8‐15 Wochen erstrecken, im Anschluss daran gibt es zur Stabilisierung Nachsorgeangebote oder die Möglichkeit zur ambulanten Fortführung der fachklinischen Behandlung.

In der Suchttherapie/Entwöhnungsbehandlung lernt der Suchtkranke Abstinenzfähigkeit zu entwickeln und zu stabilisieren, erarbeitet Einstellungs‐ und Verhaltensänderungen, um im Alltag ohne Suchtmittel auszukommen. Dazu gehört auch, dass während der Behandlung die Situation am Arbeitsplatz, bei Arbeitslosigkeit die Möglichkeiten einer beruflichen Wiedereingliederung sowie persönliche familiäre und soziale Problemlagen besprochen und Perspektiven entwickelt werden.

Gesellschaftlich ist eine Entstigmatisierung von Sucht gefordert. Denn Sucht ist häufig verbunden mit Schuldgefühlen, Selbstvorwürfen, Abwertung, Verleugnung und Ausgrenzung. Die mit Sucht verbundene Isolation betrifft auch die Angehörigen und insbesondere auch die Kinder von suchtkranken Menschen, welche das "Familiengeheimnis" wahren und es häufig als Verrat empfinden würden, darüber zu sprechen.

Abhängigkeitskranken Menschen sollte eine Chance gegeben werden, ihr Leben zu verändern und aus dem Teufelskreis der Sucht auszusteigen. Dies beinhaltet beispielsweise auch, ihnen bei Arbeitslosigkeit einen Neustart ins Berufsleben nach einer absolvierten Entwöhnungsbehandlung zu eröffnen.

Neben stoffgebundenen Suchtformen sind in den letzten Jahren zunehmend auch stoffungebundene Suchtformen bzw. suchtnahe Störungen ins Blickfeld geraten. Dazu gehören pathologisches Glücksspiel und pathologischer Internet- bzw. PC-Gebrauch (mit unterschiedlichen Gebrauchsformen wie Gaming, Online-Glücksspiel, Sexsucht), aber auch verschiedene Formen von Essstörungen.

Dafür existieren spezialisierte Angebote in sucht- oder psychosomatischen Rehabilitationseinrichtungen.

Information

Rat und Hilfe bei suchtbezogenen Störungen leisten u.a. folgende Institutionen:

  • BZgA‐Infotelefon zur Suchtvorbeugung, Telefon: 0221/892031, Mo – Do 10 – 22 Uhr, Fr – So 10 – 18 Uhr, www.bzga.de/service/beratungsstellen/suchtprobleme
  • BZgA‐Infotelefon zur Glücksspielsucht, Telefon: 0800/1372700, Mo – Do 10 – 22 Uhr, Fr – So 10 – 18 Uhr
  • Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen e.V., Westenwall 4, 59065 Hamm, Telefon: 02381/9015‐0, info@dhs.de, www.dhs.de
  • Fachverband Sucht e.V., Walramstr. 3, 53175 Bonn, Telefon: 0228/261555, Fax 0228/215885, www.sucht.de, Rubriken „Betroffene und Angehörige“, „Einrichtungssuche“

Selbsthilfegruppen vor Ort sind zu finden über