Wenn Kopfschmerzen jedoch sehr stark oder sehr häufig sind, können damit hohe psychische Belastungen und Einschränkungen in der Lebensführung einhergehen.

Oftmals besteht ein enges Zusammenspiel zwischen körperlichen, psychischen und sozialen Faktoren. So ist die Bedeutsamkeit von Stress für die Auslösung und Aufrechterhaltung von Kopfschmerzen für die häufigsten Kopfschmerzformen Migräne und Spannungskopfschmerz vielfach belegt. Dabei scheinen vor allem ungünstige Formen der Stressverarbeitung entscheidend zu sein wie z.B. übermäßiges Grübeln über Belastungen, Rückzugs- und Vermeidungsstrategien sowie eine reduzierte Entspannungsfähigkeit.

Auch der Umgang mit der Kopfschmerzerkrankung selbst kann den Krankheitsverlauf entscheidend beeinflussen. Versuchen Betroffene etwa, trotz Beschwerden stets weiter zu „funktionieren“, können die fortschreitende Überlastung und Erschöpfung die Kopfschmerzen verschlimmern und das Risiko eines Medikamentenübergebrauchs erhöhen. Aber auch der Versuch, mögliche Auslöser von Kopfschmerzen stets zu vermeiden, kann selbst zum Stressfaktor werden - und den eigenen Handlungsspielraum zu Kosten der Lebensqualität deutlich einschränken.

Im klinischen Alltag verdeutlicht sich oft eine Dysbalance von Durchhaltestrategien im Pflichtbereich („im Beruf versuche ich trotz Schmerzen und Erschöpfung weiter zu funktionieren“) und Rückzugsverhalten im Freizeitbereich („für Verabredungen mit Freunden oder sportliche Aktivitäten fehlt mir die Energie“), was die körperliche und psychische Regeneration gefährdet. Als Grundlagen dieser Verhaltensmuster offenbaren sich nicht selten eine hohe Leistungs- und Pflichtorientierung.

Das im klinischen Alltag am häufigsten angewandte Entspannungsverfahren ist die Progressive Muskelrelaxation (PMR).

Das Risiko der Entstehung einer begleitenden psychischen Erkrankung ist bei von primären Kopfschmerzen Betroffenen im Vergleich zur Allgemeinbevölkerung höher. Am häufigsten sind depressive Erkrankungen und Angst-Störungen. In manchen Fällen kann das Auftreten von Kopfschmerzen in direktem Zusammenhang mit schwerwiegenden emotionalen und/oder psychosozialen Belastungen stehen.

Oftmals ist jedoch von einer wechselseitigen Verstärkung von Kopfschmerz- und psychischer Erkrankung auszugehen. So können einerseits die Nicht-Vorhersehbarkeit von Kopfschmerzattacken sowie erlebte Hilflosigkeit im Umgang mit häufigen Schmerzen Ängste auslösen, andererseits kann das mit einer erhöhten Ängstlichkeit einhergehende gesteigerte Anspannungsniveau Kopfschmerzen verstärken.

Im Weiteren ist es nachvollziehbar, dass die emotionale Belastung und Beeinträchtigung in der Lebensführung durch häufige Kopfschmerzen (z.B. Wegfall von Freizeitaktivitäten, Einschränkungen der Arbeitsfähigkeit) das Risiko einer depressiven Entwicklung erhöhen. Depressive Erkrankungen wurden wiederum als bedeutsame Risikofaktoren einer Chronifizierung von Kopfschmerzen identifiziert.

Ausgehend von dem Einfluss psychischer und Verhaltens-Faktoren auf das Kopfschmerzgeschehen stellen psychologische Verfahren oftmals einen wichtigen Behandlungsbaustein dar. Als wirksam in der Behandlung von Migräne und Spannungskopfschmerzen haben sich Entspannungsverfahren, Biofeedback und kognitive Verhaltenstherapie erwiesen.

In Untersuchungen zeigte sich, dass psychologische Interventionen eine Linderung von 30-60 Prozent erzielen können - und dass dieser Effekt noch Jahre nach der Behandlung bestehen bleibt. Auch von Cluster-Kopfschmerzen Betroffene können von einer psychologischen Mitbehandlung profitieren, indem zum Beispiel entlastende Strategien zum Attackenmanagement sowie zum Umgang mit der Erkrankung im sozialen Umfeld vermittelt werden.

Das im klinischen Alltag am häufigsten angewandte Entspannungsverfahren ist die Progressive Muskelrelaxation (PMR). Studien weisen zwar darauf hin, dass sich die unterschiedlichen Entspannungsverfahren in ihrer Wirkung bei Kopfschmerzen nicht unterscheiden, der Vorteil der PMR liegt jedoch in ihrer schnellen Erlernbarkeit. Um nachhaltige Erfolge zu erzielen ist es wichtig, ein Entspannungsverfahren über einen längeren Zeitraum (Wochen bis Monate) möglichst täglich zu üben und einen Transfer in den Alltag sicherzustellen.

Bei einer Biofeedbackbehandlung werden körperliche Prozesse (z.B. Muskelanspannung, vegetative Funktionen), die ansonsten nicht oder nur ungenau wahrgenommen werden, über ein Messsystem erfasst und kontinuierlich als ein akustisches oder visuelles Signal an den Patienten rückgemeldet. Durch die bewusste Wahrnehmung kann eine willentliche Steuerung erlernt werden, um z.B. gezielt Entspannungsreaktionen einzuleiten.

Kognitiv-verhaltenstherapeutische Behandlungsprogramme umfassen meist folgende Bausteine: Wissensvermittlung zur Erkrankung und möglichen Einflussfaktoren, Verbesserung der Selbstwahrnehmung, Aufbau günstiger Lebensstilfaktoren, Entspannungstraining, Schmerzbewältigung, Stressbewältigung und ggf. Optimierung des Medikamenteneinnahmeverhaltens.

Meist findet die Behandlung als Gruppentherapie mit geschlossenen Kleingruppen von Kopfschmerzpatienten statt und beinhaltet mehrere, strukturierte Sitzungen, welche durch psychologische Einzelspräche ergänzt werden können. Je nach Ausmaß der psychosozialen Belastungen und Beeinträchtigung durch die Kopfschmerzerkrankung kann in manchen Fällen auch eine ambulante (Schmerz-) Psychotherapie sinnvoll sein.