Häufig wird die Erkrankung nicht ernst genommen und gar nicht, falsch oder zu spät behandelt.

„Jeder kennt aus seinem eigenen Leben Verstimmungen. Man fühlt sich nicht gut, ist lustlos oder gar traurig. Die Versuchung ist daher groß, anzunehmen, eine Depression sei das Gleiche.  Depression ist aber nicht Trauer, Stress in der Partnerschaft oder im Beruf, sondern Depression ist eine Krankheit wie zum Beispiel Diabetes mellitus.

Das Leiden ist größer als bei so gut wie allen anderen Erkrankungen und bei vielen ist sie eine lebensgefährliche Erkrankung“, sagt Ulrich Hegerl, Professor für Psychiatrie und Direktor der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie der Universität Leipzig und Vorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe.

Diese Unterscheidung fällt vielen schwer. Es gibt zudem viele Begriffe wie zum Beispiel Burnout oder chronischer Stress, die mit der Depression vermengt werden. Das führt dazu, dass man die Depression nicht als die Erkrankung ansieht, die sie ist, und die jeden treffen kann.

„Eine Depression ist mehr als eine Reaktion auf schwierige Lebensumstände“, so Hegerl, „manchmal kann jemand in eine Depression fallen, und es sind eben keine äußeren Umstände erkennbar. Daher ist es mir wichtig zu sagen, die Depression ist eine Erkrankung und als solche muss sie auch konsequent behandelt werden. Und das passiert leider häufig nicht.“

Wie behandeln?

Die Krankheitszeichen sind vielfältig: Psychische Auffälligkeiten wie Antriebsschwäche, Schuldgefühle und Ängste oder Gefühle von Hoffnungslosigkeit zählen dazu. Auf körperlicher Seite können Schlafstörungen, Appetitverlust oder unterschiedliche körperliche Beschwerden auftreten. Halten die Symptome länger als 14 Tage an, ist eine Depression wahrscheinlich.
Die wichtigsten Säulen der Behandlung sind die medikamentöse Behandlung und die Psychotherapie.

Wichtig: Antidepressiva machen nicht abhängig. Und sie bringen nicht nur die Symptome zum Abklingen, sie reduzieren auch deutlich das Risiko, dass die Erkrankung erneut auftritt.

Sich mit der Depression auseinandersetzen

Die Depression ist eine schwere Erkrankung, die nicht allein für die Betroffenen, sondern auch für die Angehörigen belastend ist. „Mit Liebe und Engagement alleine lässt sich eine schwere Depression ebenso wenig wie eine Blinddarmentzündung heilen“, so Professor Hegerl. „Es ist für den Betroffenen aber sehr wichtig, dass die Familie oder der Partner ihm unterstützend zur Seite stehen. Dafür ist Einbindung und Information der Angehörigen wichtig, um Missverständnisse zu vermeiden“.