Doch dieser Zusammenhang ist den Betroffenen oftmals unbekannt und kann Angst und Unsicherheit verstärken. Das Thema Depression ist spätestens seit dem Flugzeugunglück der Germanwings-Maschine wieder allgegenwärtig. Die verschiedenen Facetten der Erkrankung werden in der Berichterstattung jedoch häufig außer Acht gelassen.

Negative Gedanken, Schuldgefühle und Selbstzweifel – Symptome einer Depression, die ein jeder als typisch benennen würde. Sie belasten die Betroffenen und machen es ihnen schwer, ein „normales“ Leben zu führen.

Was viele nicht wissen: 94 Prozent der Depressionspatienten leiden zudem unter kognitiven Beeinträchtigungen. Neben der getrübten Stimmung wird so der private und berufliche Alltag durch verminderte Konzentration und mangelnde Aufmerksamkeit zu einer enormen Herausforderung.

Wie können sich kognitive Beeinträchtigungen äußern?

Studien fanden heraus, dass sich während einer depressiven Episode eine generelle kognitive Verlangsamung belegen lässt. Das Festlegen neuer Ziele oder das Planen ganz simpler Aktivitäten mit Freunden fällt den Betroffenen beispielsweise immer schwerer, was dazu führt, dass sie regelmäßig frustrierende Situationen erleben, die ihnen den Weg aus ihrer Depressionserkrankung zusätzlich versperren.

Erschwerend kommt hinzu, dass die kognitiven Fähigkeiten auch in der Remission, der Phase, in der die Depression abgeklungen ist, nicht oder nur verzögert wiederhergestellt werden können. Nur wenn Betroffene und ihr Umfeld darüber aufgeklärt sind, dass kognitive Probleme mit der Depression zusammenhängen, kann eine entsprechende Therapie dem Patienten wieder vollständig zurück ins Leben helfen.

Die Folgen kognitiver Beeinträchtigungen im Rahmen einer Depression können im privaten wie auch beruflichen Miteinander weitreichend sein. Konflikte innerhalb der Familie oder des Freundeskreises können dann vorprogrammiert sein, wenn plötzlich schon der Einkauf im Supermarkt oder eine Verabredung zum gemütlichen Kaffeeklatsch überfordern.

Der Alltag in der von Termindruck und Intensität geprägten Arbeitswelt ist für einen Menschen mit Kognitionsproblemen kaum zu meistern. Komplexe Aufgaben können mit Konzentrationsschwierigkeiten und mangelnder Entscheidungsfähigkeit nicht in gewohnter Qualität bearbeitet werden, was am Ende des Tages auch wirtschaftliche Konsequenzen mit sich bringen kann.

Krankheitsdauer bei psychischen Erkrankungen auf Höchstwert

Diese Tendenz bestätigen die Zahlen der aktuellen Gesundheitsreports der DAK und BKK. 65 Prozent aller Angestellten klagen über starken Termin- und Leistungsdruck. 14,6 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage sind inzwischen auf psychische Erkrankungen zurückzuführen. Die Falldauer bei psychischen Störungen liegt mit circa 38 Krankheitstagen auf einem absoluten Höchstwert.

Wichtige Gründe, warum sich nicht nur die Medizin um bestmögliche Therapieoptionen kümmern muss. Viel mehr müssen Patienten, Angehörige, Arbeitgeber und auch Politik und Wirtschaft eng kooperieren, um die Rahmenbedingungen für die optimale Versorgung psychisch Erkrankter entsprechend neu zu gestalten.

Quellen:

Tk-depressions-atlas 2015: Arbeitsunfähigkeit Und Arzneiverordnung

Dak-gesundheitsreport 2014: Rushhour Des Lebens Ohne Krankenschein

J. Olesen Et Al., „the Economic Cost Of Brain Disorders In Europe“, Eur J Neurology, 2012

Conradi Hj Et Al., Psychol Med, 2011