Bei dem Modellprojekt „Schlaganfall-Lotsen OWL“ sorgen daher fünf Mitarbeiter in Ostwestfalen-Lippe für eine optimale ambulante Nachsorge der Betroffenen. Gefördert wird das Projekt unter anderem vom nordrhein-westfälischen Gesundheitsministerium. Ein Gespräch mit Schlaganfall-Lotsin und Lotsen-Koordinatorin Anke Siebdrat über erste Erfolge ihrer Arbeit.

Was genau ist die Aufgabe eines Schlaganfall-Lotsen?

Wir verstehen uns als persönlicher Berater des Patienten während der gesamten Behandlung nach einem Schlaganfall. Wir informieren, koordinieren, beraten, vermitteln und motivieren, sowohl für den Patienten als auch für seine Angehörigen.

Konkret stimmen wir z.B. Behandlungsschritte mit dem Arzt ab, helfen bei der Suche nach Schulungen zur Reduzierung von Risikofaktoren, bei der Medikation, machen Hausbesuche und koordinieren Nachsorgetermine bei Hausärzten, Therapeuten und Neurologen.

Wer profitiert davon?

Direkt erst mal der Patient. Wir sind sehr nah an ihm dran und wollen ihm praktische Hilfe zur Selbsthilfe bieten. Nach einem Schlaganfall muss ein Patient seine Lebensweise komplett umstellen. Wie ein guter Lotse führen wir ihn kompetent und motivierend durch diese Lebensphase und setzen gemeinsam Ziele.

Für Jüngere sind die Partizipation an Alltag und Berufsleben sowie das Gefühl der Selbstbestimmung wichtig. Bei älteren Patienten geht es in erster Linie um ein soziales Netzwerk.

Aber auch das gesamte Gesundheitssystem spart Kosten. Es gibt mangels Kommunikation oft Versorgungsbrüche an den Schnittstellen, zum Beispiel zwischen Akutversorgung, Reha oder Nachsorge. Auch weil Patienten die Zusammenhänge nicht kennen. Hier halten wir die Fäden zusammen.

Wie viele Patienten betreuen Sie und wie lange?

Ein Lotse betreut pro Jahr rund 70 Patienten. Die Betreuung erfolgt bis zu einem Jahr nach dem Schlaganfall. Sie werden regional betreut. Ich bin also viel unterwegs, mache Hausbesuche oder bin in Rehakliniken vor Ort.

Wie reagieren die Patienten?

Sie sind alle sehr dankbar und fühlen sich vor allem aufgefangen, weil jemand rund um die Uhr für sie da ist. Bei einigen Akteuren im medizinischen Netzwerk mussten wir Transparenz schaffen, um Vorbehalte wie Kontrolle und Eingriff in andere Arbeitsbereiche zu nehmen.

Welchen beruflichen Hintergrund braucht ein Schlaganfall-Lotse?

Tätig sind Fachleute aus dem pflegerischen, therapeutischen oder sozialarbeiterischen Bereich mit speziellem Wissen rund um das Thema Schlaganfall. Hilfreich ist, wenn man zusätzlich Case-Manager ist.

Was macht Ihnen persönlich an diesem Beruf Spaß?

Wir können wirklich helfen, dass viele Menschen ihre Lebensqualität und die Freude am Leben zurückerhalten. Bei diesem Projekt steht der Patient wirklich im Mittelpunkt des Geschehens.