Ohne Therapie drohen ernste Folgen, beispielsweise ein Schlaganfall. Mit dem Alter steigt das Risiko für Vorhofflimmern und erreicht bei 70- bis 80-Jährigen eine Häufigkeit von bis zu 15 Prozent. Charakteristisch ist ein anhaltend unregelmäßiger, meist deutlich beschleunigter Herzschlag.

„Beim Vorhofflimmern beginnen die Vorhöfe, wie der Name bereits sagt, zu flimmern, das heißt, sie schlagen unkontrolliert. Das Blut fließt unregelmäßig und beginnt, sich in den Vorhöfen zu stauen“, erklärt Prof. Dr. Horst Sievert, Facharzt für Kardiologie und Angiologie am CardioVasculären Centrum in Frankfurt.

Die Herzrhythmusstörung kann unterschiedliche Ursachen haben. Zu den häufigsten Auslösern zählen ein schon längere Zeit bestehender Bluthochdruck, gefolgt von hohem Alter, Herzmuskelschwäche, koronarer Herzkrankheit, Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), Herzklappenfehler, Herzmuskelentzündung. Weitere mögliche Ursachen sind unter anderem eine Schilddrüsenüberfunktion sowie übermäßiger Alkoholkonsum.

Vorhofflimmern birgt schwerwiegende Gefahren: Es drohen Komplikationen durch Blutgerinnsel, vor allem das Schlaganfall-Risiko ist um das Fünffache erhöht sowie das Herzschwäche-Risiko um das Dreifache. Ohne Blutgerinnungshemmung ist bei über 70-Jährigen mit einem Schlaganfall-Risiko von 20 bis 30 Prozent innerhalb von fünf Jahren zu rechnen.

Ort der Gerinnselbildung ist eine kleine, bei allen Menschen im Herzen vorhandene Muskeltasche ohne Funktion: das sogenannte Vorhofohr. „Beim Vorhofflimmern bilden sich aufgrund des Blutstaus oftmals Gerinnsel im linken Herzohr. Normalisiert sich der Herzrhythmus im Anschluss wieder, gelangen diese in den linken Vorhof und von da aus über den normalen Blutstrom ins Gehirn.

Dort können sie ein Gefäß verschließen und einen Schlaganfall auslösen“, beschreibt Prof. Sievert den Vorgang im Körper. Je länger Vorhofflimmern besteht, umso schwieriger ist es, den normalen Herzrhythmus – den sogenannten Sinusrhythmus – wieder herzustellen und aufrechtzuerhalten.

In frühen Stadien kann das Flimmern der Vorhöfe durch Medikamente oder eine elektrische Kardioversion („Elektroschock“) behandelt werden. Sprechen Patienten nicht auf die Therapie an oder lehnen sie eine Dauermedikation ab, kommt ein Katheterverfahren zum Verschluss des Vorhofohrs infrage.

Entscheiden sich Arzt und Patient für einen Eingriff in Form eines Vorhofohrverschlusses, wird ein Katheter über die Leiste gesetzt und über die Blutgefäße zum Vorhofohr geleitet. „Dort positionieren wir das aus einem Drahtgeflecht bestehende Implantat in den Eingangsbereich des Herzohrs und überprüfen den Sitz mittels eines bildgebenden Verfahrens. Sind keine Korrekturen notwendig, setzen wir das Implantat frei“, erklärt Prof. Sievert. Nach der erfolgreichen Platzierung wird der Katheter wieder entfernt.

Die Dauer des Eingriffs beträgt circa eine Stunde und findet in der Regel in einem sogenannten Herzkatheterlabor statt. Patienten spüren den von den Krankenkassen übernommenen Eingriff kaum und verlassen das Krankenhaus normalerweise innerhalb von zwei bis drei Tagen.