Die Verbindung zwischen linker und rechter Herzkammer kann geschlossen werden. Interview mit Prof. Dr. med Felix Berger, Professor für Kinderkardiologie und Direktor des Herzzentrums Berlin (DHZ) und der Charité Berlin.

Professor Berger, was ist ein PFO und welchen Zweck erfüllt es?

Ein PFO ist eine Verbindung zwischen der linken und rechten Herzvorkammer. Sie sorgt dafür, dass während der Fetalzeit sauerstoffreiches Blut aus der Plazenta zur linken Kammer gelangt. Ein solches PFO hat zunächst jeder Fetus.

In der Regel verschließt sich die Klappe zwischen beiden Vorkammern nach der Geburt. Doch bei rund einem Viertel der Menschen verklebt sie nicht vollständig. Dies ist nicht problematisch, kann jedoch selten unter unglücklichen Umständen zu Komplikationen führen.

Wenn zum Beispiel etwas Schweres angehoben oder beim Stuhlgang stark gepresst wird, kann ein Blutkoagel, meist aus den Venen der unteren Körperhälfte, von der rechten zur linken Herzvorkammer übertreten. Dann kann es über den Blutkreislauf durch die Hauptschlagader ins Gehirn gelangen und zu einem Schlaganfall führen.

Was sind die Risiken eines PFOs?

Menschen mit einem PFO laufen nicht zwangsläufig Gefahr, einen Schlaganfall zu erleiden. Daher müssen auch keine vorbeugenden Maßnahmen getroffen werden. Jedoch können diese Menschen zu einer Risikogruppe gehören. Generell kann die Ursache der meisten Schlaganfälle geklärt werden, bei rund 25 bis 30 Prozent allerdings nicht, das nennt man einen kryptogenen Schlaganfall. Wird bei kryptogenen Schlaganfällen hinsichtlich eines PFOs untersucht, findet man ihn bei 40 bis 60 Prozent der Patienten.

Wie werden diese kryptogenen Schlaganfälle untersucht?

Es wird ein PFO-Screening per Ultraschalluntersuchung erstellt. Der Patient schluckt eine Ultraschallsonde, die in der Speiseröhre, also direkt hinter dem Herzen, platziert wird. Dann wird dem Patienten ein Kontrastmittel in die Vene gespritzt. Nun soll er wie bei einem Stuhlgang Druck ausüben. Tritt das Kontrastmittel von der rechten in die linke Vorkammer über, handelt es sich um ein PFO.

Wie wird ein Schlaganfall infolge eines PFOs bislang therapiert?

Bislang werden hauptsächlich gerinnungshemmende Medikamente eingenommen, die auch Nebenwirkungen wie vermehrte Blutungsneigung haben können. Sie sollen verhindern, dass Thromben, also Blutgerinnsel, entstehen. Doch diese Therapie behandelt nur die Symptome, nicht die Ursache. Denn das PFO bleibt weiterhin offen.

Gibt es eine Alternative zur medikamentösen Behandlung?

Die gibt es und es muss sie auch geben. Die medikamentöse Behandlung sorgt lediglich dafür, dass kein Thrombus entsteht. Ein sogenannter PFO-Verschluss hingegen verhindert, dass ein Thrombus übertreten kann. Dabei wird die offene Verbindung zwischen beiden Vorkammern mit einem Verschlusspfropfen geschlossen. Dieser Pfropfen ist auf der linken Seite 18 und auf der rechten Seite 25 Millimeter groß. Wenn er vollständig eingewachsen ist, werden keine Medikamente benötigt.

Was bedeutet dies für die zukünftige Behandlung von Schlaganfall-Patienten mit einem PFO?

Vor allem jüngere Patienten profitieren von einem PFO-Verschluss. Denn je jünger ein Mensch ist, desto höher ist das kumulative Risiko eines Schlaganfalls infolge eines PFO.