Sie erlitten bereits mit 26 und 28 Jahren sehr früh zwei Schlaganfälle. Einer zog sogar einen Herzinfarkt mit sich. Das ist sehr untypisch in Ihrem damaligen Alter. Konnten Ihnen die Ärzte sagen, woran das lag?

Natürlich konnte man mir das sagen. Man hat es aber in die Worte gefasst, die ich am besten verstehen konnte. Bei mir war es ein immer wieder auftretender plötzlicher Bluthochdruck, der zum Schlaganfall geführt hat. Die Grundlage war Stress. Sowohl Kopfstress als auch körperlicher Stress. Ich habe rund um die Uhr gearbeitet und ausreichend Sorgen gehabt. Erklärt hat man es mir mechanisch: Es ist wie eine Leitung in der Wasser oder Öl fließt, immer mit einem gewissen Druck. Verändert sich der Druck nicht, dann passiert auch nichts. Erhöht man den Druck aber, ohne die Flüssigkeit oder die Rohre zu verändern, muss irgendwann der Überdruck raus. Wenn es kein Überdruckventil gibt... Den Überdruck hat dann die Leitung irgendwann selber abgelassen. Entweder sie platzt oder aber sie saugt sich zu, weil nicht genug Flüssigkeit nachkommt. Ich hatte das große Glück, dass sie sich zusammen gesaugt hat, aber dennoch, somit ein Schlaganfall.

Wie lief die Rehabilitation nach dem ersten und zweiten Schlaganfall ab, gab es Zeiten in denen Sie daran gezweifelt haben wieder ganz gesund zu werden?

Für mich gab es tatsächlich niemals Zweifel, dass ich wieder gesund werde. Ich war jung und entweder einfältig oder sehr optimistisch. Ich wusste nur eines: Man wird krank und wenn man krank wird, wird man auch wieder gesund. Das ist wie bei einem Knochenbruch, wie bei einer Schnittwunde, wie bei einer Grippe. All das hatte ich mir von vornherein in den Kopf gesetzt. Das geht wieder weg. Außerdem wollte ich unbedingt gesund werden und dafür habe ich dementsprechend viel getan. Meinen Geist trainiert, meinen Körper trainiert. Ich habe einen unglaublichen Willen gehabt.

Was hat Ihnen in dieser Zeit geholfen die Motivation zu bewahren und gesund zu werden?

Ich wollte wieder da hin, wo der normale Mensch auch ist. Der normale Mensch in seiner gesunden Parallelwelt, in der er sich über das Wetter, über Freunde, über Bekannte, über den Verkehr aufregt. Und vor allem nicht da ist, wo der Kranke ist und keine wirklichen Sorgen kennt.

Wie erging es in diesen Phasen Ihren Angehörigen?

Da ich in diesen Phasen extrem mit mir selber beschäftigt war, was man nachvollziehen kann, habe ich mich und meine Angehörigen da relativ wenig beobachten können. Ich weiß nur eines: Sie hatten alle unglaubliche Sorgen. Haben sie mir aber Gott sei Dank nicht gezeigt.

Ihr Buch „Keine Zeit für Arschlöcher“ trägt eine klare Botschaft, inwiefern hängt diese auch mit Ihren beiden Schlaganfällen zusammen?

Dieses Buch ist eine Essenz aus meinem gesamten Leben. Unter dem Strich kommt es nur darauf an die nötige Demut fürs Leben zu haben, eine Dankbarkeit für die Dinge, die schön waren und sind. Die Übersicht zu haben: Was sind wahre Probleme und was sind keine. Sich immer wieder bewusst zu sein wie glücklich man doch ist und, dass man selbst seines Glückes Schmied ist. Man ist sehr wohl in der Lage, die Dinge, die einem nicht gefallen, abzustellen. Man muss nur eines: Bereit sein, die Konsequenzen zu tragen.

Wie hat sich Ihr Lebensstiel verändert? Gibt es heute etwas, dass Sie mit jetzigem Wissen anders machen würden?

Jeder Mensch würde ab einem gewissen Alter wahrscheinlich versuchen in die Dinge einzugreifen, die er mal falsch gemacht hat. Das ist nur nicht möglich. Gott sei Dank ist das nicht möglich! Die Welt wäre eine andere und nicht unbedingt eine bessere, wenn man erst einmal alles ausprobieren dürfte und viele Fehler macht, um sie im Nachhinein zu verbessern. Man würde damit alles verändern. Wiederum auf der anderen Seite haben alle Dinge, die passiert sind, mich zu dem werden lassen, der ich heute sein darf. Den mag ich gerne und der soll auch so bleiben.

Was möchten Sie anderen Menschen mit Ihrer Erfahrung mit auf den Weg geben?

Haltet immer mal wieder inne. Beobachtet wie die Welt um Euch herum ist, wie ihr sie gerne hättet und fangt an zu verstehen, dass ihr sie mit formen könnt. Seid freundlich, höflich, dankbar und es wird auch zu Euch zurückkommen. Wer mit einer schlechten Miene rumläuft, wird selten angelächelt. Wer lächelt, wird häufiger angelächelt und bekommt auch Hilfe.

Buchtipp

„Keine Zeit für Arschlöcher! ... hör auf dein Herz“

Rund zehn Jahre nach seinem Bestseller „Und plötzlich guckst du bis zum lieben Gott. Die zwei Leben des Horst Lichter“ legte der TV-Koch und Publikumsliebling Lichter im Oktober 2016 sein neues Buch vor. Da fragt man sich als Leser natürlich schon: Was soll denn jetzt noch kommen? Hat Hotte uns etwa nicht alles erzählt?

Gibt es tatsächlich noch ein drittes Leben in diesem Einen? Ja, das gibt es wirklich! Mit dem Tod seiner Mutter 2014 hat Horst Lichter angefangen, seine Geschichte neu zu schreiben, denn ihm ist wieder einmal klar geworden: Das Leben ist kein Ponyhof – und vor allem endlich! Ein Buch zum Lachen und Weinen, in dem uns Hotte zeigt, warum es so wichtig ist, sein Leben in die Hand zu nehmen und die eigene Lebenszeit sinnvoll zu nutzen, denn die Reise des Lebens ist doch eine der abenteuerlichsten!