Ein Gespräch mit Dr. Thorsten Böing, Rehabilitationswissenschaftler über aktuelle Therapien für eine erfolgreiche Rehabilitation.

Welche sind die häufigsten Folgen nach einem Schlaganfall?

Er kann die unterschiedlichsten Symptome in verschiedenen Ausprägungen zeigen. Bei einer Schädigung der rechten Hirnhälfte kann es zum Beispiel zu Gesichtsfeldausfällen kommen, bei einer Schädigung der linken Hirnhälfte wiederum zu Sprachstörungen oder einer Lähmung der Sprechmuskulatur.

Weitere Folgen können Beeinträchtigungen der geistigen Leistungen, wie Gedächtnisdefizite, und motorische Ausfälle sein. Oft bleibt eine sogenannte Halbseitenlähmung zurück. Hinzu treten natürlich die seelischen Probleme, die sich aufgrund der veränderten Lebenssituation einstellen.

Wo setzt hier die Therapie an?

Das Stichwort lautet interdisziplinär. Idealerweise arbeiten Neurologen, Logopäden, Physio- und Ergotherapeuten, Psychologen, Orthopädietechniker, Rehafachärzte und Pflegepersonal eng zusammen.

Wichtig ist auch eine schnelle Mobilisierung des Patienten, wenn Parameter wie Herzkreislauf und Blutdruck dies zulassen. Früher verschrieb man eine gewisse Regenerationszeit. Heute weiß man, dass Nervenbahnen über Stimulation wiederhergestellt werden können, wenn sich der Patient wieder rechtzeitig bewegt.

Wie lange dauern die Therapien?

Nach der Akutbehandlung in der Klinik kann man durchschnittlich von sechs Wochen Reha ausgehen. Hier übt der Patient mithilfe von Rollstühlen, Orthesen oder funktioneller Elektrostimulation, so schnell wie möglich wieder mobil zu werden. Denn die Mobilisierung des Patienten steht im direkten Zusammenhang mit weiteren Heilungserfolgen. Danach folgt die wichtige Phase der Wiedereingliederung und Neuorientierung im privaten und beruflichen Umfeld.   

Was raten Sie den Patienten und Angehörigen zum Umgang mit der Erkrankung?

Wie der Name schon sagt, ist mit einem Schlaganfall die Welt des Patienten und seiner Umgebung mit einem Schlag anders. Das Leben ist mit einem Mal völlig auf den Kopf gestellt und für alle eine extreme Belastung. Viele müssen erst mal realisieren, dass sich alles komplett ändert. Dem ehemaligen Macher im Beruf wird dann plötzlich die Windel gewechselt, weil er an Inkontinenz leidet. Das muss man erst mal verarbeiten, ebenso auch die Angehörigen.

Wichtig ist daher ein Ansprechpartner, wie zum Beispiel ein klinischer Sozialdienst, ein Psychologe oder ein Schlaganfall-Lotse der Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe. Sie begleiten betreuend durch die einzelnen Phasen.

Unter Kollegen haben wir die Faustformel, dass 75 Prozent der Rehabilitation im Kopf stattfindet. Eine Rehabilitation funktioniert nur erfolgreich, wenn die Motivation da ist.