Seine Behandlung hat in den vergangenen 20 Jahren große Fortschritte gemacht, vor allem bedingt durch zwei medizinische Neuerungen: 1996 wurde die entscheidende Studie zur Auflösung von Blutgerinnseln im Gehirn, der systemischen Thrombolyse, veröffentlicht und seit Mitte der 1990er-Jahre haben sich neurologische Spezialstationen, die „Stroke Units“, etabliert. Deutschland hat heute weltweit eines der dichtesten Netzwerke solcher Stationen.

Bei der systemischen Thrombolyse wird das Medikament rt-PA in die Vene verabreicht. Es löst Blutgerinnsel auf und verbessert damit die Chance auf eine gute Erholung nach Schlaganfall. Bei vielen Patienten reicht das nicht. Professor Hermann Zeumer, Neuroradiologe und Neurologe aus Hamburg, hatte bereits in den frühen 1980er-Jahren herausgefunden, dass man in Extremfällen Schlaganfallpatienten dadurch das Leben retten kann, dass man eine überlebenswichtige Hirnarterie mittels Katheter mechanisch wieder eröffnet.

Die bahnbrechende Nachricht ist, dass diese Methode nun nicht nur in Extremfällen, sondern bei fast allen schwereren Schlaganfällen funktioniert.

Es ging damals um die Arteria basilaris, die unter anderem das Atemzentrum versorgt und deren Verschluss unbehandelt meist zum Tode führt. Für diese Extremfälle waren die Beobachtungen so eindeutig, dass Kathetereingriffe an der Arteria basilaris über die Jahre einen festen Platz in der Schlaganfallbehandlung bekommen haben. Ob Katheterbehandlungen auch bei den viel häufigeren Schlaganfällen an anderen Hirnarterien effektiv sind, war lange unklar.

Im vergangenen Jahr gab es endlich den wissenschaftlichen Durchbruch. Es konnte in fünf unabhängigen Studien gezeigt werden, dass schlimme Folgen eines schweren Schlaganfalls abgewendet werden können, wenn man zusätzlich zur intravenösen Therapie mit rt-PA auch noch eine Katheterbehandlung durchführt, eine „mechanische Thrombektomie“.

Die bahnbrechende Nachricht ist, dass diese Methode nun nicht nur in Extremfällen, sondern bei fast allen schwereren Schlaganfällen funktioniert, also vier bis zehn Prozent aller Schlaganfälle. Das Ganze funktioniert nur, wenn das Blutgerinnsel, das die Arterie verstopft, frisch ist; also gilt auch hier „Time is brain“ – es muss also alles sehr schnell gehen, vom Bemerken der Symptome bis zur Einlieferung in eine Klinik mit Stroke Unit.

In den fünf entscheidenden Studien wurden insgesamt 1.287 Patienten untersucht, davon erhielten 634 die neue Katheterbehandlung und 653 die Standardtherapie ohne Katheter. Eine gute Erholung vom Schlaganfall zeigten nach der Katheterbehandlung 22 Prozent mehr als in der Kontrollgruppe.

Die Effektivität der neuen Therapie ist hoch und das Risiko gering. So zeigte sich in den fünf Studien keine Zunahme an Blutungskomplikationen, obwohl mit den Kathetern ja immerhin in den Hirnarterien manipuliert werden muss.

Der Gewinn an Effektivität und Sicherheit ist zum einen neuen Entwicklungen in der Kathetertechnik zuzuschreiben, den sogenannten „Stentrievern“. Dies sind „Stents“, also kleine Röhrchen aus Drahtgeflechten, die sich in ein Blutgerinnsel hineinschieben lassen, das Blutgerinnsel dann wie in einem Käfig gefangen nehmen und samt Gerinnsel herausgezogen werden können.

Zum anderen steht und fällt der Erfolg mit der Spezialisierung der behandelnden Ärzte, der Neuroradiologen, also radiologischen Spezialisten für das Gehirn. Wir sind in Deutschland in der guten Situation, dass Menschen mit Schlaganfall durch das Netz der neurologischen Stroke Units und das hohe Qualifikationsniveau der neuroradiologisch tätigen Ärzteteams flächendeckend Zugang zu diesen neuen Therapien haben.

Eine gute Nachricht, auch wenn dennoch für den Schlaganfall gilt: Vorbeugung ist die beste Therapie, und die besten Spezialisten können nicht reparieren, was jahrelanges Rauchen, schlechte Blutfette, ein schlecht eingestellter Blutzucker oder zu hoher Blutdruck anrichten. Wenn es denn doch passiert: Unbedingt sofort die „112“ wählen und alles Weitere den Profis überlassen.