Ein Gespräch mit Chefarzt Prof. Dr. med. Johannes Brachmann über innovative Lösungen der Telemedizin.

Was ist Vorhofflimmern, und warum ist es so gefährlich?

Vorhofflimmern ist eine Herzrhythmusstörung, bei der das Herz unregelmäßig, häufig auch beschleunigt schlägt. Es existieren verschiedene Formen. Einfach formuliert gibt es ein andauerndes Vorhofflimmern, das relativ leicht mit einem Ruhe-EKG zu erkennen ist. Allerdings ist auch ein anfallartiges, asymptomatisches Flimmern möglich, das nicht sofort vom Arzt diagnostiziert werden kann.

Gefährlich ist diese Krankheit, von der etwa ein bis zwei Prozent der Bevölkerung betroffen sind, weil durch sie das Risiko eines Schlaganfalls ansteigt. Ein Schlaganfall wiederum ist der häufigste Grund, warum Patienten in Pflegeheimen behandelt werden und sich ihre Lebensqualität erheblich senkt.

Selbst einige Kollegen wissen noch nicht, dass Vorhofflimmern besonders schwere Fälle eines Schlaganfalls auslösen kann. Andere Konsequenzen können außerdem eine Herzschwäche sein oder dass Patienten eine Demenz entwickeln.

Home Monitoring kann helfen, Vorhofflimmern schneller zu erkennen. Wie funktioniert es genau?

Bisher hatten Ärzte das Problem, dass sie das eben genannte anfallartige Vorhofflimmern nicht ausreichend diagnostizieren konnten. Selbst ein EKG, das 24 Stunden an sieben Tagen in der Woche durchgeführt wurde, half ihnen nicht bei der Diagnose. Unterstützung kann jetzt die Technologie des Home Monitoring bieten.

Möglich ist diese bei Patienten mit implantierbarem Herzschrittmacher und Herzmonitor, mit implantierbarem Defibrillator und solchen mit einem System zur kardialen Resynchronisation (CRT). Aus dem Implantat werden klinische und technische Daten über das GSM-Mobilfunknetz an ein schnurloses externes Gerät beim Patienten gesendet, das zum Beispiel auf den Nachttisch gestellt wird.

Das Gerät wiederum überträgt die Daten automatisch über eine Zentrale an die Arztpraxis oder Klinik. Dieses Prinzip funktioniert weltweit, egal von welchem Standort. Der Arzt kann die übermittelten Patientendaten täglich am Bildschirm auswerten und bei einem Vorhofflimmern zeitnah reagieren und optimal therapieren.

Welche Vorteile ergeben sich dank Home Monitoring für Arzt und Patient?

Die Früherkennung eines asymptomatischen Vorhofflimmerns wird wesentlich verbessert. Es gibt mehr Chancen, eine schwere Erkrankung im Sinne der Vorsorge im Vorfeld zu behandeln. Auch das Implantat kann technisch besser überwacht werden. Und Patienten haben ein geringeres Risiko, ins Krankenhaus eingewiesen zu werden.

Wir haben an unserem Klinikum über drei Jahre lang Studien dazu durchgeführt. Wo wir früher nur drei Prozent des Vorhofflimmerns erkannt haben, sind es jetzt dank der Fernübertragung bis zu 30 Prozent der Fälle. Man kann bei dieser Technologie daher durchaus von einer Medizin der Zukunft sprechen.