Auch jüngere können davon betroffen sein. Interview mit Professor Dr. Peter Berlit, Chefarzt der Klinik für Neurologie im Alfried Krupp Krankenhaus (Rüttenscheid).

Professor Berlit, was kann man sich unter einem juveniler Schlaganfall vorstellen?

Als sogenannter juveniler Schlaganfall werden Schlaganfälle definiert, die bei Menschen auftreten, die jünger sind als 45 Jahre.  Wenn man sich die Häufigkeiten anschaut, dann treten Schlaganfälle bei Kindern bis zum vollendeten 18. Lebensjahr in einer Häufigkeit von 0,6 bis 7,9 auf 100.000 Personen auf, bei jungen Erwachsenen bis zum vollendeten 44. Lebensjahr beträgt die Häufigkeit 3,4 bis 11,3 auf 100.000 Personen. 

Für die richtige Diagnosestellung sind die Gefäßdarstellung mittels Angiographie, die Nervenwasseruntersuchung und eine Gewebsprobe erforderlich. Die Behandlung muss in entsprechend spezialisierten Kliniken durchgeführt werden. 

Gibt es beim juvenilen Schlaganfall besondere Symptome?

Die Symptome des Schlaganfalles unterscheiden sich bei jüngeren Menschen nicht von denen bei älteren. Das heißt Lähmungserscheinungen, Gefühlsstörungen, Sehstörungen und Sprachstörungen sind die häufigsten Symptome. Bei Kleinkindern können eine allgemeine Schwäche, psychische Auffälligkeiten und epileptische Anfälle erstes Symptom eines Schlaganfalles sein. 

Was können Ursachen sein?

Sowohl bei Kleinkindern als auch bei jungen Erwachsenen spielen entzündliche Gefäßerkrankungen eine Rolle, im Fachjargon Vaskulitis genannt. Dabei kann es sich um Entzündungen durch Erreger handeln. Bis zum zehnten Lebensjahr spielt die Gefäßwandentzündung durch das Windpockenvirus eine Rolle und kann bei Kindern Schlaganfälle auslösen.

Im jungen Erwachsenenalter sind die Gefäßwandentzündungen meist immunologisch bedingt, entweder im Rahmen einer systemischen rheumatologischen Erkrankung oder als isolierte Vaskulitis des zentralen Nervensystems. 

Wie kann man den Schlaganfall behandeln?

Die Akutbehandlung des Schlaganfalls unterscheidet sich nicht grundsätzlich bei jungen Erwachsenen oder bei älteren Patienten. Dies bedeutet, dass bei Auftreten einer akuten neurologischen Ausfallsymptomatik zunächst eine Blutung ins Hirngewebe mittels Computertomographie oder Kernspintomographie ausgeschlossen wird.

Liegt eine Durchblutungsstörung vor, gilt es, das zum Schlaganfall führende verlegte Gefäß nach Möglichkeit zu rekanalisieren. Dies kann innerhalb einer Frist von vier bis fünf Stunden nach Auftreten der Symptomatik mittels Medikamentengabe erfolgen. Derzeit in der Erprobung ist die mechanische Thrombektomie, das Entfernen des Gerinnsels über einen Katheter, welches durch interventionelle Neuroradiologien durchgeführt wird.

Mit welchen Folgeschäden ist zu rechnen?

Wenn es gelingt, frühzeitig den Gefäßverschluss zu beheben, kann es sein, dass der Patient ganz ohne neurologische Ausfälle das Krankenhaus wieder verlässt. Kommt der Patient zu spät in die Klinik oder gelingt eine solche Rekanalisation nicht, ist mit Folgeerscheinungen zu rechnen. Dies sind häufig Behinderungen durch verbleibende Lähmungen, Sehstörungen oder Sprachstörungen, die dann der gezielten Rehabilitation bedürfen.