Wie moderne Methoden die Suche nach Ursachen erleichtern, erläutert Professor Dr. Johannes Brachmann, Chefarzt der II Med. Klinik – Kardiologie am Klinikum Coburg.

Wie kommt es zu einem Schlaganfall?

Bei 85 Prozent der Schlaganfallopfer verschließt ein Blutgerinnsel ein oder mehrere Blutgefäße. Die Ursache kann eine Erkrankung der Hirngefäße sein wie Arteriosklerose, aber auch Vorhofflimmern. Allerdings bleibt bei jedem dritten Betroffenen die Ursache, die zum Blutgerinnsel geführt hat, unklar.

Welche Folgen hat ein Schlaganfall?

Manche Patienten haben nur vorübergehend mit den Folgen zu kämpfen. Meist jedoch erleiden die Patienten Seh- und Sprachstörungen sowie Lähmungen. Damit sind sie zeitlebens auf Pflege angewiesen. Ziel jeder Behandlung ist es daher, den Patienten lebenslange Behinderungen und Pflegebedürftigkeit zu ersparen.

Warum ist die Suche nach den Ursachen so wichtig?

Wer einen Schlaganfall erlitten hat, hat ein stark erhöhtes Risiko, einen weiteren und schweren Schlaganfall zu erleiden. Nur wenn die Ursache bekannt ist und behandelt wird, lässt sich dieses Risiko senken.

Welche Ursachen werden denn wie behandelt?

Ist Vorhofflimmern der Grund für den Schlaganfall, bekommt der Patient Blutgerinnungshemmer, die eine erneute Bildung eines Gerinnsels verhindern. Zusätzlich erhalten Patienten Antiarrythmika, die den Herzrhythmus normalisieren.

Handelt es sich um eine Arterienverkalkung, werden Blutverdünner – sie hemmen die Blutplättchen und wirken anders als Blutgerinnungshemmer – verordnet. Diese Medikamente würden einen erneuten Schlaganfall wegen Vorhofflimmern nicht verhindern können. Da jeder dritte Schlaganfall unbekannter Ursache ist, kann jedes Medikament das falsche sein.
 

Wie kann man die Ursache finden?

Eine der häufigsten Ursachen ist das Vorhofflimmern des Herzens. Oft tritt dies nur sporadisch auf. Manche Patienten spüren das nicht einmal. Gerade dann wird Vorhofflimmern gar nicht oder nur zufällig entdeckt. Ein neuer Mini-EKG-Rekorder unterstützt uns hier bei der Diagnostik. Das winzige Gerät hat in etwa die Größe von zwei Streichhölzern. Wie ein Chip wird er unter die Haut geschoben.

Drei Jahre lang kann der Reveal LINQ dann den Herzschlag des Patienten überwachen. Sieht der Herzmonitor Unregelmäßigkeiten, wie Vorhofflimmern, zeichnet er diese automatisch auf. Mit einem Zusatzgerät kann das EKG sogar per Telemedizin an den behandelnden Arzt gesendet werden. Umso schneller hat er die Möglichkeit, eine gezielte Behandlung zur Verhinderung eines weiteren Schlaganfalls einzuleiten.