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Am 16. Juli macht der Schlaganfallbus im PASSAUER WOLF Bad Griesbach halt. Experten informieren über Behandlungsmethoden in der neurologischen Rehabilitation nach einem Schlaganfall.

Wie kommt es zu einem Schlaganfall?

Ein Schlaganfall ist eine akut einsetzende Funktionsstörung des Gehirns, die in zwei unterschiedliche Ursachen einzuteilen ist:

Bei 80 % der Patienten verschließt ein Gerinnsel ein gehirnversorgendes Blutgefäß. Dies führt zu einer Durchblutungsstörung mit Schäden an den Nervenzellen durch den folgenden Sauerstoffmangel.

Bei 20 % der Betroffenen verursacht eine Blutansammlung im Gehirn zum Beispiel durch das Zerreißen bzw. Platzen eines Blutgefäßes die Symptome, wie zum Beispiel die plötzlich einsetzende halbseitige Lähmung, etc.

Je länger die Durchblutungsstörung im Gehirn andauert, desto mehr Nervengewebe wird unwiederbringlich zerstört. Schnelle Hilfe ist daher für Betroffene enorm wichtig. „Time is brain“, d. h. „Zeit ist Hirn“, denn ein unbehandelter Patient verliert ca. 1,9 Millionen Nervenzellen pro Minute im unterversorgten Hirnbereich1.

Wie sieht die Behandlung aus?

Die Behandlung des Schlaganfalls bzw. auch dessen Vorbeugung ist in den letzten Jahren deutlich verbessert worden. Das ist auch auf die spezialisierten Kathetertechniken im Gehirn und die Einführung der sogenannten neuen Antikoagulantien (NOAC) zur Blutverdünnung beim herzrhythmusbedingten Schlaganfall durch Vorhofflimmern zurückzuführen.

Zur Behebung eines Hirngefäßverschlusses wird in spezialisierten Zentren, so genannten „stroke units“, die etablierte intravenöse Thrombolysetherapie (Lysetherapie2) sowie auch die mechanische Katheterintervention3 (Thrombektomie), angewandt. Je früher eine solche Therapie gestartet werden kann, desto größere Chancen hat der Betroffene, den Schlaganfall zu überleben bzw. mit wenig Schaden ein unabhängiges Leben zu führen.

Der besondere Wert einer Schlaganfall-Spezialstation (stroke unit) liegt in der gezielten Evaluation der Schlaganfallursache und Einleitung der optimalen Folgetherapien sowie der kontinuierlichen Überwachung.

Im Anschluss an die Akutphase arbeiten spezialisierte Teams, bestehend aus Ärzten, Therapeuten (Physiotherapie, Ergotherapie, Logopädie), Neuropsychologen, Sozialarbeitern sowie Fachpflegepersonal während der einzelnen Rehabilitationsphasen eng zusammen. Nach einem Schlaganfall zählt vor allem Eines: Den Alltag wieder selbständig meistern können. Orientierend an den Fähigkeitseinschränkungen bildet daher ein individueller Behandlungsplan den roten Faden für die Rehabilitation.

Häufige Folgen nach einem Schlaganfall sind u. a. Halbseitenlähmungen, Sprach- oder Schluckstörungen oder Gangunsicherheit. Etablierte Therapiemethoden zielen darauf ab, Selbständigkeit und Mobilität bestmöglich zu erhalten. In Zusammenarbeit mit den Angehörigen, wird für die Zeit nach der neurologischen Rehabilitation beispielsweise geklärt, welche Hilfsmittel den Alltag erleichtern können und wie die Erfolge stabilisiert und weiter ausgebaut werden können.

Wie kann ich mich vor einem Schlaganfall schützen?

Vorbeugung ist der beste Schutz! Nervenzellschaden beim Schlaganfall kann den Verlust der Selbstbestimmung bedeuten. Die Vermeidung von Risikofaktoren hilft, einem Schlaganfall vorzubeugen.

Typische Risikofaktoren sind

  • Hoher Blutdruck
  • Rauchen
  • Zu hoher Taille-Hüft-Ratio (Verhältnis zwischen Taille- und Hüftumfang)
  • Ungesunde Ernährung
  • Zu wenig Bewegung
  • Diabetes mellitus
  • Vorhofflimmern

Dr. med. Oliver Meier
Leitender Arzt Frührehabilitation PASSAUER WOLF Bad Griesbach,
Regionalbeauftragter der Deutschen Schlaganfallhilfe

 

1 Saver et al. Stroke 2006;37:263-266

2 The ATLANTIS,ECASS and NINDS rt-PA Study Group Investigators Lancet 2004;363:766-774

3 MR-CLEAN: NEJM 2015;372:11-20 und EXTEND-IA: NEJM 2015;372:1009-1018