Generell gilt: Je schneller, desto besser.

Ein Schlaganfall ist die häufigste Ursache, die zu einer dauerhaften Behinderung im Erwachsenenalter führt. In der Regel werden Schäden im Gehirn davongetragen. Daher muss umgehend mit einer Akutbehandlung begonnen werden. „Je schneller der Patient behandelt wird, desto höher ist die Chance, dass er keine Behinderung davonträgt.

Im Bestfall sollte innerhalb von 90 Minuten eingeschritten werden“, weiß Dr. Carsten Hobohm. Welche Schritte zuerst eingeleitet werden, hängt von der Art des Schlaganfalls ab und muss auf den Patienten abgestimmt sein.

Erstversorgung ist entscheidend

Generell gilt: „Sollte der Schlaganfall durch ein Blutgerinnsel verursacht worden sein, muss das verstopfte Blutgefäß sofort geöffnet werden. Je länger das dauert, desto mehr Gehirngewebe stirbt ab“, sagt Dr. Carsten Hobohm.

Der Oberarzt der Klinik und Poliklinik für Neurologie am Universitätsklinikum Leipzig empfiehlt: „In einigen Fällen kann das Blutgerinnsel mit der systemischen Lysetherapie aufgelöst werden.“ Es muss in einer spezialisierten Klinik innerhalb der ersten viereinhalb Stunden nach dem Schlaganfall verabreicht werden.

Dabei wird innerhalb von 60 Minuten das Medikament rtPA über die Vene injiziert. „Es ist jedoch für Menschen ungeeignet, die zum Beispiel bestimmte gerinnungshemmende Medikamente einnehmen oder die kürzlich schwerwiegende große Operationen hatten“, erklärt Dr. Carsten Hobohm. Denn infolge der systemischen Thrombolyse können bei diesen Patienten lebensbedrohliche Nachblutungen auftreten.

Optimalerweise sollte jeder Schlaganfallpatient auf einer Stroke Unit behandelt werden. Auf dieser spezialisierten Schlaganfallstation arbeitet ein multiprofessionelles Team aus Ärzten, Neuropsychologen, Logopäden, Ergotherapeuten und spezialisierten Pflegekräften. „Die Behandlung auf einer solchen Station trägt dazu bei, die Rate an schwerwiegenden Behinderungen zu senken und die Sterberate zu verringern“, so Dr. Carsten Hobohm.

Neue Therapieform wird erforscht

Bei all diesen Formen der Akuttherapie bleibt sehr wenig Zeit, um einen Schlaganfall zu behandeln. „Da das therapeutische Zeitfenster so kurz ist, wird derzeit nach alternativen Therapieoptionen gesucht“, sagt Dr. Daniel-Christoph Wagner vom Fraunhofer-Institut für Zelltherapie und Immunologie.

Ein vielversprechender Ansatz ist die Transplantation von neuralen Stammzellen. „Es gibt zahlreiche Hinweise aus der Grundlagenforschung, dass diese Zellen den Heilungsprozess nach einem Schlaganfall verbessern können“, erklärt Abteilungsleiter Dr. Daniel-Christoph Wagner.

Die klinische Prüfung dieses Therapiekonzeptes wird momentan von der renommierten Stanford-Universität vorbereitet. „Vor dem Start einer klinischen Studie muss jedoch die immunologische Wechselwirkung des schlaganfallgeschädigten Gehirns mit den transplantierten Zellen besser verstanden werden“, so Wagner.

An dieser Aufgabe arbeiten die Forscher des Fraunhofer-Instituts gemeinsam mit dem Translationszentrum für Regenerative Medizin der Universität Leipzig.