Seit Jahren müssen immer weniger Patienten am Schlaganfall versterben. Eine neue Therapie weckt zusätzlich Hoffnung.

Der Schlaganfall ist der häufigste Grund für Behinderungen im Erwachsenenalter, und vorläufig noch die dritthäufigste Todesursache. Doch die Mortalität sinkt seit Jahren, weil die Akutversorgung stetig besser wird. In 20 Jahren haben die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe und die Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft 263 Stroke Units (Schlaganfall-Spezialstationen) zertifiziert. Schlaganfall-Patienten werden in Deutschland nahezu flächendeckend akut sehr gut versorgt.

Die plötzliche Durchblutungsstörung im Gehirn entsteht durch einen Gefäßriss oder, in 80 Prozent der Fälle, durch einen Gefäßverschluss. Standardtherapie in diesem Fall ist die Thrombolyse. Ärzte versuchen dabei, den Gefäßschluss durch ein Medikament aufzulösen. Das Zeitfenster dafür ist eng, die Lyse muss innerhalb von maximal 4,5 Stunden nach dem Schlaganfall stattfinden. Grundsätzlich gilt: je früher, desto besser.

Noch mehr Hoffnung macht den Patienten jetzt eine relativ neue Methode, die so genannte Thrombektomie. Dabei wird das Gerinnsel mittels eines Katheters, der in die Leiste eingeführt wird, mechanisch entfernt. Vier neue Studien belegen die hohe Wirksamkeit.

„Die Behandlung konnte nicht alle Behinderungen vermeiden, doch drei von fünf Patienten gewannen dank der Behandlung ihre funktionelle Unabhängigkeit zurück“, erläutert Prof. Dr. Joachim Röther, Pressesprecher der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft. Kleine Einschränkung: Das Verfahren eignet sich nach Einschätzung von Neurologen nur für etwa 5 Prozent der Patienten. Doch immerhin könnten über 10.000 Patienten davon profitieren.

Unabhängig von Art und Behandlung des Schlaganfalls: Zeit bleibt der entscheidende Faktor, wenn es darum geht, einen Schlaganfall mit möglichst geringen Einschränkungen zu überstehen. Plötzlich auftretende Sehstörungen, Sprachstörungen, Taubheitsgefühle, sehr starker Kopfschmerz oder Schwindel mit Gangunsicherheit können Anzeichen einen Schlaganfalls sein. In solchen Fällen sollte man unverzüglich den Notruf 112 wählen.

Die Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe hat eine kostenlose Schlaganfall-App entwickelt. Sie enthält unter anderem den so genannten FAST-Test. Mit ihm lässt sich in wenigen Sekunden ein Schlaganfall-Verdacht prüfen.