Handelt es sich dann noch um eine Krankheit, die du bislang nahezu ausschließlich mit älteren Menschen in Zusammenhang gebracht hast, ist die Wucht des Schlages noch einmal um ein Vielfaches heftiger. Man könnte das auch so ausdrücken: Parkinson zu haben, ist nicht gerade „sexy“. Die typischen Symp-tome wie das Zittern, die Verlangsamung der Bewegungen oder die gebeugte Körperhaltung tragen nicht unbedingt zu einem selbstsicheren, selbstbewussten Erscheinungsbild bei. Leidest du bereits in jungen Jahren an Parkinson, hast du folglich nicht nur mit den körperlichen Einschränkungen zu kämpfen, sondern auch mit einer heftig angekratzten Psyche.

Wie du den Kampf „Patient gegen Psyche“ gewinnen kannst, musst du allerdings meist ganz allein herausfinden. Nur wenige Patienten kommen in der Frühphase ihrer Erkrankung in den Genuss einer professionellen psychologischen Betreuung – die meisten fühlen sich eher alleingelassen. Insbesondere wenn du zu denen gehörst, die bereits in sehr jungen Jahren erkranken, fühlst du dich in so einer Situation meist ebenso hilflos wie überfordert.

Eine Unmenge von Fragen türmt sich vor dir auf, die alle eines gemeinsam haben: Du kannst sie zu diesem Zeitpunkt nicht beantworten. Und doch bist du die einzige Person, die – wenn überhaupt – irgendwann eine für dich und dein Leben zufriedenstellende Antwort wird geben können. Wie sagst du es beispielsweise deinem Partner, deiner Familie, deinen Freunden? Sollst oder musst du es deinem Chef schon jetzt erzählen – oder ist es besser zu warten? Hält deine Beziehung das aus? Wie werden all die anderen reagieren? Wie geht es weiter mit dir, mit deinem Körper? Hat das Leben mit so einer Erkrankung überhaupt einen Sinn?

Denn wie die Krankheit selbst, so wird auch dein Leben mit ihr unzählige verschiedene Gesichter haben.

Selbst wenn du eigentlich als lebenslustiger und mitteilungsfreudiger Typ bekannt bist, möchtest du dich in so einem Moment vermutlich am liebsten in dein Schneckenhaus zurückziehen – nichts sehen, nichts hören, nichts sagen … Und doch wäre es in genau diesem Augenblick besonders wichtig für dich, jemanden zur Seite zu haben. Jemanden, dem du all deine Ängste und Nöte bedingungslos anvertrauen könntest. Jemanden, der dich auffängt, damit deine Landung auf dem Boden der Tatsachen etwas glimpflicher verläuft. Das kann sicherlich ein Profi sein, aber auch ein Familienmitglied oder ein sehr guter Freund kommen hierfür infrage. Ob auch eine Selbsthilfegruppe dir den ersten Schritt zurück ins Leben erleichtern kann, hängt wohl auch davon ab, ob du dort an die „richtige“ Person gerätst – ob, wie man so schön sagt, die Chemie stimmt.

Dann kann es sicherlich unschätzbar wertvoll sein, mit jemandem zu reden, der genau die Situation, die dich gerade zu erschlagen droht, aus eigener Erfahrung kennt. Und vor allem, der seinen Weg aus der Krise und zurück ins Leben gemeistert hat. Trotz körperlicher Einschränkungen, trotz einer Öffentlichkeit, in der Parkinson erst ab 70 vorkommt, trotz eines inneren Schweinehundes, der manchmal viel zu laut Radau macht.

Denn wie die Krankheit selbst, so wird auch dein Leben mit ihr unzählige verschiedene Gesichter haben: Tage, an denen es dir gut geht und keiner dir deine Krankheit ansieht – und die anderen, nicht ganz so guten Tage. Du wirst fraglos in kürzester Zeit lernen, die wirklich wichtigen Dinge im Leben von den unwichtigen Kleinigkeiten zu unterscheiden. Und dieses Wissen hast du den meisten anderen Menschen voraus! 

Information

Der Verein „Jung & Parkinson. Die Selbsthilfe e. V.“ ist eine Anlaufstelle für Menschen, die in jungen Jahren an Parkinson erkranken oder die sich zu jung für eine „normale“ Selbsthilfegruppe fühlen. Neben umfangreichen Informationen über das Krankheitsbild, über Studien, über Forschungsprojekte und anderes mehr steht vor allem der persönliche Austausch von Erfahrungen und Tipps im Vordergrund. Das Onlineangebot auf jung-und-parkinson.de ist dementsprechend breit gefächert. Da es enorm wichtig ist, die Öffentlichkeit für die speziellen Probleme in jungen Jahren Erkrankter zu sensibilisieren, finden Symposien und Informationsveranstaltungen statt. Zurzeit verfügt der Verein über etwa 230 Mitglieder, die das umfangreiche Angebot für einen jährlichen Beitrag von 12 Euro nutzen können.

3. Jung & Parkinson-Symposium in Berlin für Erkrankte und Angehörige

Am Sonnabend, den 09.06.2018, findet von 10.00 bis 15.00 Uhr im St. Joseph Krankenhaus in Berlin Weißensee das dritte Symposium
von Jung & Parkinson - Berlin statt. Unter dem Titel „Verwackelt“ referieren Spezialisten aus Theorie und Praxis zu verschiedensten Themen. Der Eintritt zu der Veranstaltung, die von 'Keep Moving' sowie den DPV-Landesverbänden Berlin und Brandenburg unterstützt wird, ist kostenfrei.

Informationen bei Kerstin Krolop unter Telefon 0151 59 12 66 33 oder per Mail: berlin@jungundparkinson.de.