Für Betroffene, die in diesem Stadium sind, kommen tiefe Hirnstimulationen infrage. Ohne diesen operativen Eingriff kommen verschiedene Hirnareale außer Tritt. So kommt es zu Wirkungsfluktuationen, den On- und Off-Perioden, in denen die medikamentöse Behandlung entweder gar nicht wirkt oder zu einer Überbeweglichkeit führt. Außerdem gibt es noch die Patienten, die vor allem an einem Tremor leiden, der nicht mit Medikamenten behandelt werden kann. „Typischerweise wird eine Operation anderthalb Jahre nach Auftreten der Wirkungsfluktuationen durchgeführt“, erläutert Prof. Dr. Visser-Vandewalle, Direktorin der Klinik für Stereotaxie und Funktionelle Neurochirurgie, Universitätsklinikum Köln (AöR).

Um wieder Harmonie in die Kommunikation zwischen den einzelnen Hirnarealen zu bringen, unterbricht die tiefe Hirnstimulation den krankhaften Takt im Gehirn. Dafür muss ein bestimmter Punkt im Hirn gefunden werden, um die gewünschten Areale zu stimulieren. Prof. Dr. Visser-Vandewalle beschreibt den Ablauf: „Um den Zielpunkt festzulegen, wird zuerst ein sogenannter stereotaktischer Rahmen am Kopf des Patienten fixiert. Dieser Rahmen funktioniert wie ein Navigationssystem. Vor der Operation bekommt der Patient ein MRT. Nach der Rahmenfixierung wird ein CT-Scan durchgeführt. Beide Scans werden übereinandergelegt, anschließend kann der Neurochirurg mit einem bestimmten Softwareprogramm den Weg, dem die Elektrode folgen wird, simulieren, um somit den besten Zugang zu finden.“

Ist dies geschehen, beginnt die richtige Operation. „Dabei ist es wichtig, diesem lebensverändernden Eingriff mit Respekt zu begegnen“, erläutert Prof. Dr. Timmermann. „Wir erklären unseren Patienten stets genau den Ablauf der OP.“ Ein bis zu sechs Millimeter großes Loch wird in die Schädeldecke gebohrt. Daraufhin werden ein bis drei Mess- und Testelektroden implantiert, die die elektrische Aktivität messen und für anschließende Testsimulationen genutzt werden.


„Das ganze Prozedere wird in Analgosedierung, also einer funktionellen Dämpfung des zentralen Nervensystems mithilfe von Beruhigungs- und Schmerzmitteln, durchgeführt. Die gesamte Prozedur dauert nahezu den ganzen Tag, der eigentliche Eingriff am Patienten rund drei Stunden. Die restliche Zeit wird durch die umfangreiche Vorbereitung in Anspruch genommen“, beschreibt Prof. Dr. Visser-Vandewalle den Ablauf. Dazu fügt Prof. Dr. Timmermann an, „dass es oftmals eine sehr familiäre Atmosphäre ist. Das gilt für die gesamte Behandlung mit der tiefen Hirnstimulation. Durch die intensive Vorbereitung, den Eingriff und die kontinuierliche Nachsorge lernen wir unsere Patienten und ihre Angehörigen sehr gut kennen und bauen ein sehr vertrautes Verhältnis auf.“

Der Direktor der Neurologischen Universitätsklinik Marburg weiß auch, was die Strapazen für positive Folgen haben. „Durch die Behandlung können sich Patienten wieder besser darauf verlassen, gut beweglich zu sein. Sie haben weniger Schmerzen, schlafen besser und können ihren Tagesablauf wieder planen, ohne darauf warten zu müssen, dass die Medikamente wirken.“

Für besorgte Patienten stellt Frau Prof. Dr. Visser-Vandewalle klar: „Die Risiken der Implantation sind niedrig. Mittlerweile gibt es sogar wiederaufladbare Systeme, sodass mehrere Eingriffe vermieden werden. Die tiefe Hirnstimulation ist so zu einer wirkungsvollen Therapie-option geworden. In vielen Regionen Deutschlands gibt es Selbsthilfegruppen, bei denen sich Betroffene und Verwandte informieren können.

Information

Mehr Informationen und einen Klinikfinder finden Sie hier: https://www.bostonscientific.de/erkrankungen/parkinson-krankheit.html