Lange Zeit hat sich die Forschung allein auf motorische Symptome gestützt, jetzt setzt ein Paradigmenwechsel hin zu einer verbesserten Frühdiagnostik ein. Zitternde Hände, Finger, die so steif sind, dass kein Knopf mehr ins Hemdloch will, Bewegungen, die nur langsam und mit Mühe ausgeführt werden können – alles für eine Parkinson-Erkrankung sehr sichere und typische Symptome. Doch treten sie auf, ist es meistens schon sehr spät.

In diesem Stadium ist die Krankheit, die auf einen Mangel des Botenstoffs Dopamin im Gehirn zurückgeführt wird, schon voll ausgebrochen. „Treten motorische Störungen auf, sind bis  zu 50 Prozent der Nervenzellen bereits abgestorben“, sagt Prof. Dr. Claudia Trenkwalder. Sie ist Ärztliche Leiterin der Paracelsus-Elena-Klinik in Kassel, die sich daher seit Jahren für eine Verbesserung der Frühdiagnostik einsetzt.

Noch viele Fehldiagnosen

Jahrzehnte lang wurde Parkinson ausschließlich klinisch durch motorische Symptome diagnostiziert und definiert. Heute ist die Forschung schon einen entscheidenden Schritt weiter.

"Viele Studien stützen mittlerweile die These, dass Parkinson durch Eindringen einer pathologischen Substanz über Darmwand und Nasenschleimhaut zunächst das autonome Nervensystem durchwandert, bis es schließlich erste motorische Störungen auslöst", so Prof. Trenkwalder.

Beginn und Verlauf einer Parkinson-Erkrankung sind schleichend. Erste Symptome können bereits fünf bis zehn Jahre, bevor  motorische Störungen einsetzen, auftreten. Insbesondere Veränderungen des Geruchssinns, abnorme Schlafstörungen, chronische Verstopfungen oder auch Depressionen sind inzwischen als frühe Zeichen einer Parkinson-Erkrankung nachgewiesen.

Dennoch werden anfängliche Beschwerden oft noch nicht mit einer Parkinson-Erkrankung in Verbindung gebracht und daher fehldiagnostiziert.

Suche nach Biomarkern

Um so bedeutender ist der Paradigmenwechsel, der sich gegenwärtig in der Forschung vollzieht. Basis neuerer Untersuchungen sind nicht mehr die Symptome, sondern der Schutz oder die Wiederherstellung der Nervenzellfunktion. Anlass zur Hoffnung gibt so auch eine große von der Michael J. Fox-Stiftung initiierte Parkinson-Studie, an der auch die Paracelsus-Elena-Klinik Kassel teilnimmt.

Sie zielt auf eine schnellere und sichere Diagnose von Parkinson mit Hilfe von so genannten Biomarkern - Indikatoren im Körper, mit denen sich das Risiko, eine Parkinson-Erkrankung zu entwickeln, anhand eines in der Zukunft vielleicht einfachen Tests einschätzen lässt. Gelingt dies, rückt das noch ferne Ziel der Heilung ein Stückchen näher.