Vor rund zehn Jahren erhielten Sie die Diagnose Parkinson. Wie machte sich die Krankheit bemerkbar?

Meine Handschrift wurde innerhalb eines halben Jahres kleiner, sodass ich manchmal mein eigenes „Gekrakel“ nicht mehr lesen konnte. Da mein Mann in dieser Zeit gestorben war, vermutete ein Arzt ein posttraumatisches Stresssyndrom. An der Uniklinik Köln diagnostizierte Professor Gereon R. Fink vom Zentrum für Neurologie und Psychologie dann Parkinson.

Wie haben Sie darauf reagiert?

Nicht wie manche andere, indem ich es nicht wahrhaben wollte, ängstlich oder zornig wurde oder gar in eine Depression verfiel. Ich habe, entsprechend meinem Naturell, die Erkrankung angenommen und bin aktiv geworden. Ich schloss mich einer Selbsthilfegruppe an und nahm an Studien teil. Neben Medikamenten hat mir außerdem die Methode LSVT-BIG mit ihren weit ausholenden Körperbewegungen geholfen.

Wie hat sich das auf Ihre Gesundheit ausgewirkt?

Meine Handschrift hat sich danach verbessert. Ich machte weiterhin Reisen, zum Beispiel nach Vietnam, Kanada oder Südafrika. Ich mache außerdem seit Jahren ehrenamtlich Führungen im Museum. Dabei habe ich allerdings im Juli vergangenen Jahres bemerkt, dass sich mein Körper unkontrolliert bewegt hat. Salopp gesagt, zappelte ich herum und mein Gang verschlechterte sich. Das hat mich dann schon gestört.

Sie haben sich daher im Januar operieren lassen. Wie erfuhren Sie von der tiefen Hirnstimulation?

Professor Fink hatte sie mir empfohlen.

Hatten Sie vor dem Eingriff Bedenken, oder wie wurden Ihnen diese genommen?

Ich wurde von Kopf bis Fuß untersucht. Hinter jeder Ecke stand sozusagen ein Arzt, der mich aufklärte. Meiner behandelnden Neurochirurgin Frau Professor Visser-Vandewalle konnte ich dabei voll und ganz vertrauen. Ich habe mich selbst auch informiert, zum Beispiel mithilfe der Deutschen Parkinson Vereinigung.

Mein Sohn und Freunde haben sich auch gewundert, wie ruhig und couragiert ich angeblich die Operation angegangen bin. Aber ich empfand mich einfach nur als realistisch. Ich habe die einmalige Chance dieser besonderen Behandlung genutzt.

Erzählen Sie uns, wie Sie den Eingriff erlebt haben.

Die Ärzte operierten mich am ersten Tag rund sieben Stunden lang, um die Mikroelektroden zu platzieren. Und am übernächsten Tag noch mal 45 Minuten, um den Stimulator zu implantieren. Ich hatte währenddessen und danach kein bisschen Schmerzen. Auch die Zeit habe ich nicht als so lang empfunden. Ich nehme an, dass hier die Narkose eine wichtige Rolle spielt. Als die Ärzte gebohrt haben, dachte ich zum Beispiel, das passiert in der Wand neben uns.

Wie ging es Ihnen kurz nach der OP und wie geht es Ihnen heute?

Ich war insgesamt zehn Tage im Krankenhaus. Bereits ein paar Stunden nach dem ersten Eingriff konnte ich den Arzt bei der Visite im Stehen begrüßen. Die überschießenden Körperbewegungen sind seitdem verschwunden. Ich schlafe auch besser.

Wie unterstützen Sie nun persönlich den Rehaprozess?

Der Arzt hat mir Bewegung, Bewegung und Bewegung empfohlen. Ich bin in einem lokalen Turnverein dreimal die Woche aktiv und nehme an einer Nordic-Walking-Gruppe mit Trainerin teil. Ich mache weiterhin die Therapie LSVT-BIG.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Dass ich noch viele gute Jahre habe, die ich gut nutzen möchte. Und dann hoffe ich, dass die Wissenschaft wieder etwas Neues gegen Morbus Parkinson gefunden hat.