Es handelt sich dabei um sehr komplexe Krankheiten, deren Erforschung oftmals sehr schwierig ist. Ich möchte zur Einleitung auf die Krankheit Parkinson näher eingehen.

Über den Darm ins Gehirn – Parkinson durch schädliche Substanzen in der Ernährung?

Die Parkinson-Krankheit betrifft in Deutschland mehr als 280.000 Menschen und führt bei den Betroffenen zu Bewegungsverarmung, Zittern und im Verlauf nicht selten zu Immobilität und Demenz. Unklar ist, warum es bei dieser Erkrankung zum Untergang von Nervenzellen in der sogenannten schwarzen Substanz im Gehirn kommt. Dieser Zelluntergang wird gefördert durch das pathologische Eiweißmolekül Alpha-Synuklein, das sich bei Parkinson in den erkrankten Gehirnzellen ablagert und deren Funktion stört.

Bereits in einem frühen Stadium der Parkinson-Erkrankung, noch vor Auftreten von Störungen in der Bewegung, findet sich Alpha-Synuklein im Nervensystem des Darms und im Riechnerv. Dies könnte erklären, warum Parkinson-Patienten häufig bereits viele Jahre vor Diagnosestellung unter Obstipation und Riechminderung leiden.

Beginnt also die Erkrankung im Darm? Trägt eine veränderte Darmflora zur Entstehung der Parkinson-Erkrankung bei? Sind Darm und Nase, die durch Vagusnerv und Riechnerv mit dem Gehirn in Verbindung stehen, Eintrittspforten für schädliche Substanzen, die in das Gehirn gelangen?

In Studien bildeten Mäuse, die ein Umweltgift fraßen Alpha-Synuklein in Nervenzellen des Darms, das dann über den Vagusnerv wie auf einer Leiter in das Gehirn gelangte. Tiere, bei denen dieser Nerv durchtrennt wurde, zeigten weniger Anreicherung von Alpha-Synuklein im Gehirn. Passend hierzu wiesen Patienten, bei denen der Vagusnerv zur Behandlung von Magengeschwüren vollständig durchtrennt wurde, ein um 22 Prozent bis 41 Prozent geringeres Risiko auf, an Parkinson zu erkranken, als eine Kontrollgruppe aus der Bevölkerung.

Aber was essen wir oder atmen wir ein, das zur Bildung dieses krank machenden Eiweißmoleküls führt? Möglicherweise sind es Umweltfaktoren, die im Darm zu einer lokalen Entzündungsreaktion mit Anhäufung von Alpha-Synuklein führen, das sich dann vom Darm über den Vagusnerv in das Gehirn ausbreitet. So erkranken Menschen, die chronisch Pflanzenschutzmitteln ausgesetzt sind, auf dem Land leben oder in der Landwirtschaft beschäftigt sind, häufiger an Parkinson, während regelmäßiger Nikotin- und Kaffeekonsum sowie die regelmäßige Einnahme entzündungshemmender Schmerzmedikamente (sogenannte NSAR) das Risiko für Parkinson mindern.

Tatsächlich leiden Parkinson-Patienten häufiger an entzündlichen Darmerkrankungen und weisen im Vergleich zu Gesunden öfter eine andere Zusammensetzung der Darmflora auf, die wichtige Eiweiße produziert und die Aufnahme von Nährstoffen, Vitaminen, Medikamenten und toxischen Stoffen sowie das Immunsystem beeinflusst. Eine gestörte Immunantwort mit einem Angriff der körpereigenen Abwehrzellen auf das  Alpha-Synuklein im Gehirn scheint zum Untergang der Hirnzellen bei Parkinson beizutragen.

Zur Behandlung könnte zukünftig eine aktive oder passive Impfung mit Antikörpern gegen Alpha-Synuklein angewendet werden, aber auch diätetische Maßnahmen mit dem Ziel, die Abwehrfunktion des Darms  zu verbessern und anti-entzündliche Effekte zu verstärken. Probiotika sowie die zurückhaltende Anwendung von Antibiotika könnten helfen, dass Darmmilieu bei Parkinson zu normalisieren.

Ziel ist es, insbesondere Menschen mit hohem Erkrankungsrisiko für Parkinson vor Ausbruch der Erkrankung „protektiv“ mittels Impfung und möglicherweise auch durch Ernährungsmaßnahmen zu behandeln. Erschwerend ist, dass multifaktorielle Ursachen zum Untergang der Nervenzellen bei der Parkinson-Erkrankung führen und neben Umwelteinflüssen über Nahrung und Atmung insbesondere auch genetische Faktoren eine Rolle spielen.