Professor Ceballos-Baumann, das Parkinson-Syndrom ist nicht zuletzt durch prominente Patienten wie Michael J. Fox in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses gerückt. Entspricht diesem medialen Erfolg auch ein Fortschritt bei den Behandlungsoptionen?  

Michael J. Fox unterstützt durch seine Stiftung einen großen Teil der weltweiten Parkinsonforschung, da passiert sehr viel. Es gibt immer mehr Möglichkeiten in der symptomatischen Behandlung, so dass man vielen Patienten über Jahre die Krankheit gar nicht ansieht, doch Heilung gibt es bisher nicht.

Bekannt ist, dass die Krankheit durch Umweltfaktoren und genetische Veranlagung ausgelöst werden kann. 

Wie häufig ist die Parkinson-Krankheit?

Heute leiden bereits über zwei Prozent der über 65-Jährigen an der Parkinsonkrankheit, bei zehn Prozent beginnt sie schon vor  dem 50. Lebensjahr. Parkinson-Symptome sind aber extrem häufig und betreffen circa 15 Prozent der über 65 Jahre alten Menschen. 

Welche können das sein?

Das Parkinson-Kardinalsymptom ist die Bewegungsverarmung und -verlangsamung. Zusätzliche Symptome sind Muskelsteifigkeit, ein Zittern in Ruhe und Gleichgewichtsstörungen.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Man unterscheidet zwischen medikamentösen und aktivierenden Therapien. Zudem gibt es noch die Medikamentenpumpen und die Hirnstimulation. An der Parkinson-Fachklinik in der Schön Klinik München Schwabing versuchen wir aus diesen allen zur Verfügung stehenden Möglichkeiten, gemeinsam mit den Patienten, den besten Therapieweg zu finden.

Wie funktionieren Medikamentenpumpen und die tiefe Hirnstimulation? 

Die Medikamentenpumpen lassen sich mit der Insulin-Pumpe bei Diabetikern vergleichen. Der Dopamin-Ersatzstoff wird analog dem Insulin entweder über die Haut oder durch ein komplexeres Verfahren in einen besonderen Dünndarmabschnitt gebracht.

Bei der Hirnstimulation werden Elektroden in einer Operation in die Tiefe des Hirns gebracht und über einen Impulsgeber stimuliert. Diese Stimulation wirkt wie ein Störsender und unterdrückt krankhafte Impulse im Gehirn.

Welche Bedeutung kommt krankengymnastischen, also den aktivierenden Therapien zu?

Aktivierende Therapien wie Physio- und Sprechtherapie sollten ein fester Bestandteil in der Betreuung jedes Parkinson-Patienten sein. Gerade für Parkinson wurden wissenschaftlich fundierte Konzepte entwickelt. Bei uns in der Klinik wird BIG – ein spezielles Training groß-amplitudiger Bewegungen bis hin zu Tai Chi und sogar Spielkonsolen wie Wii eingesetzt.

Wir selbst haben ein Programm gegen das sogenannte „Freezing“ entwickelt, ein Symptom in späteren Stadien, das durch Blockaden, im Gang ein-nicht-mehr-von-der-Stelle-kommen, gekennzeichnet ist.  Ausprobieren kann man die aktivierenden Therapien zum Teil bei unserem Parkinson-Aktionstag, den wir am Welt-Parkinson-Tag (11. April 2013) bei uns in der Klinik anbieten. 

Verschiedene neue Substanzen werden in ihrer Wirkung auf das Parkinson-Syndrom erforscht. Mit welchen ist in nächster Zeit zu rechnen?

Ich könnte mir vorstellen, dass Substanzen gegen Überstimulation durch die Parkinson-Medikation bald in die Nähe einer Zulassung kommen könnten. Wenn man Michael J. Fox betrachtet, ist dieser nicht bewegungsverarmt, sondern im Gegenteil, er bewegt sich zu stark, Patienten sprechen häufig von zappeln.

Es handelt sich hier um eine Überstimulation, verursacht durch die Medikation. Dieser Zustand wird von Patienten zwar der viel einschränkenderen Unbeweglichkeit vorgezogen, aber ein Medikament gegen derartige stigmatisierende Überbewegungen wäre sehr hilfreich.