Für welche Patienten eignet sich eine Behandlung mit VNS?

Die Vagnusnervstimulation (VNS) ist eine seit den neunziger Jahren etablierte Therapie bei Epilepsien und kommt bei medikamentenresistenten Epilepsieformen zum Einsatz. Nach den aktuellen Richtlinien ist zu prüfen, ob die Anfallssituation durch eine resektive Epilepsiechirurgie (operative Entfernung von für die Anfallsentstehung relevantem Hirngewebe) verbessert werden kann.

Durch Anpassungen der Stimulationsparameter lassen sich diese Nebenwirkungen jedoch im Regelfall minimieren.

Bei geeigneten Patienten ist hier eine Anfallsfreiheit in 40-70 Prozent der Patienten möglich. Ist eine Hirnoperation nicht möglich, da die Epilepsieform nicht geeignet ist, die epileptogene Zone so lokalisiert ist, dass sie nicht entfernt werden kann, oder ist der Patient zu dem Eingriff nicht zu motivieren, ist die VNS eine wichtige und wertvolle Alternative.

Welche Risiken birgt eine Behandlung mit VNS?

Die Komplikationen der Implantation sind bei erfahrenen Chirurgen sehr selten. Etwas häufiger kommt es bei Kindern zu Infektionen im Bereich des Stimulators, die dann eine antibiotische Therapie, in Einzelfällen auch die Explantation des Gerätes, nötig machen.

Der Magnet von der Größe einer Uhr wird am Körper mit sich getragen.

Während der langfristigen Anwendung der VNS sind Gerätedefekte wie Kabelbrüche selten und wir sehen Nebenwirkungen, die insbesondere während der Stimulationsperioden auftreten und abhängig von der Stimulationsstärke sind. Hier sind Artikulationsstörungen, Schluckprobleme und Schmerzen im Bereich des Halses zu nennen. Durch Anpassungen der Stimulationsparameter lassen sich diese Nebenwirkungen jedoch im Regelfall minimieren.

Welche Ergebnisse können erzielt werden?

Die VNS wirkt als Neurostimulation und verändert die Gehirnaktivität kurzfristig, verursacht aber auch längerfristige zerebrale Anpassungsvorgänge. Die zugrundeliegenden Wirkungsweisen einer VNS-Therapie werden weiterhin nur ansatzweise verstanden und unten beschriebene Effekte treten teils erst nach einigen Monaten der Anwendung auf.

Da bei medikamentenresistenter Epilepsie eine Depression in bis zu 60 Prozent der Fälle vorliegt, ist die antidepressive Wirkung der VNS für die Lebensqualität der Betroffenen von hoher Bedeutung.

Die kurzfristigen Veränderungen der VNS werden eingesetzt, um zu Beginn eines Anfalls diesen durch eine Extrastimulation zu unterbrechen. Diese Extrastimulation kann durch den Patienten oder Betreuer durch Streichen mit einem kleinen Magneten über den Generator ausgelöst werden. Der Magnet von der Größe einer Uhr wird am Körper mit sich getragen.

Neuerdings werden vom VNS Stimulator Veränderungen des Herzrhythmus erfasst, die auf einen Anfallsbeginn hindeuten, und dann vom Generator selbstständig eine Extrastimulation ausgelöst. Diese akute VNS Wirkung ist aus unserer Erfahrung insbesondere bei Patienten mit einem längeren Vorgefühl (Aura) zu Beginn des Anfalls wichtig.

Die längerfristige Anfallssituation verbessert sich signifikant in über 50 Prozent der Patienten mit VNS und insbesondere die schwerwiegenden Anfallstypen mit Sturzereignissen treten seltener auf. Das Erreichen einer kompletten Anfallsfreiheit ist durch eine VNS Therapie jedoch nicht wahrscheinlich.

Ein Ziel der VNS Therapie ist, im mittelfristigen Verlauf die Menge an anfallsunterdrückenden Medikamenten zu reduzieren, was in 30 %Prozent der Patienten auch gelingt. Eine wichtige weitere Wirkung ist die stimmungsaufhellende Wirkung der VNS bei Patienten mit Epilepsie. Da bei medikamentenresistenter Epilepsie eine Depression in bis zu 60 Prozent der Fälle vorliegt, ist die antidepressive Wirkung der VNS für die Lebensqualität der Betroffenen von hoher Bedeutung.

Beim hier vorgestellten Patienten sind die drei Haupteffekte der VNS aufgetreten: Eine Reduktion der Anfallsfrequenz, die Möglichkeit ohne Bewusstseinsstörung beginnende Anfälle durch Magnetanwendung unmittelbar zu beenden und der positive Effekt auf Stimmung und Befinden. Das erklärt die große Zufriedenheit mit der VNS.