Frau Spelten, wie geht es Ihnen und Ihrem Mann heute?

Relativ gut. Wir haben uns mit den Symptomen arrangiert und leben nun bestmöglich damit.

Welche Symptome meinen Sie genau?

Mein Mann ist halbseitig gelähmt und hat starke Sehstörungen – er ist mehr von der Krankheit betroffen als ich. Mir macht besonders die chronische Müdigkeit zu schaffen, aber auch Sehstörungen. Gefühlsverluste in der rechten Körperhälfte und kognitive Probleme wie Erinnerungslücken gehören zu meinem Alltag. Halbseitig gelähmt war auch ich schon einmal. Dies hat sich glücklicherweise wieder zurückgebildet.

Seit wann leiden Sie an MS?

Ich habe die Diagnose 2006 bekommen, laufe aber vermutlich schon seit 1999 damit herum. Ich habe einen Ärztemarathon hinter mir, bin immer wieder mit den verschiedenen Problemen zu verschiedenen Ärzten gegangen, doch keiner hat mich ernst genommen. Alle haben meine Symptome auf Stress und Überlastung geschoben. Irgendwann bin ich dann einfach nicht mehr zum Arzt gegangen, als ich einen MS-Schub bekommen habe, und habe diesen dann zu Hause ausgesessen. Bis ich dann innerhalb von drei Tagen auf dem rechten Auge erblindet bin.

Wie ging es weiter?

Ich bin zum Augennotarzt gefahren und die Ärztin hat festgestellt, dass organisch alles in Ordnung ist. Ich dachte damals: „Toll, jetzt glauben sie dir nicht mal, dass du nicht mehr sehen kannst.“ Mein nächster Anlaufpunkt war ein Neurologe, der den Sehnerv vermessen hat. Dieser hat keine Aktivität mehr gezeigt, woraufhin ich ins MRT kam, wo dann gesehen wurde, dass ich mehr als 30 Entzündungsherde im Kopf hatte. Ein paar Tage später hatte ich die Diagnose MS und ich war sehr froh darüber, denn endlich hatte ich einen Namen für meine Probleme und wurde nicht mehr als Hypochonder abgestempelt.

Ich habe dann verschiedene Therapien ausprobiert. Diese haben die Schübe jedoch nicht gestoppt. Dann hatte ich das Glück, dass ein Medikament gefunden wurde, das mir hilft. Dies bekomme ich einmal im Monat als Infusion und seitdem bin ich, bis auf die Müdigkeit und die kognitiven Aussetzer, schubfrei.

Sie haben Ihren Mann im Krankenhaus in der MS- Ambulanz kennengelernt. War es Liebe auf den ersten Blick?

Bei den oben erwähnten Infusionen habe ich 2008 das erste Mal meinen jetzigen Mann Andy gesehen. Wir waren eine kleine Infusionsgruppe aus zwei, drei Leuten. Damals war ich noch verheiratet, doch die Ehe ist leider an der MS zerbrochen, da mein Mann mit meinen Symptomen und Leiden nicht umgehen konnte. Andy hat mich immer unterstützt, war immer für mich da, und irgendwann – nach dem endgültigen Aus meiner Ehe – ist aus Freundschaft Liebe geworden. Ganz nach dem „Tausendmal berührt“-Prinzip (lacht).

Wann haben Sie das erste Mal miteinander über Ihren Kinderwunsch gesprochen?

Ich hatte ja schon einen Sohn aus erster Ehe, hatte aber immer den großen Wunsch nach einem zweiten Kind. Da Andy noch keine Kinder hatte, haben wir den Entschluss gefasst, das Projekt Baby anzugehen.

Hatten Sie Bedenken aufgrund Ihrer MS-Krankheiten?

Ja. Diese haben wir mit unseren Neurologen und einem weiteren Arzt besprochen, und sie konnten all unsere Sorgen revidieren und haben uns grünes Licht gegeben.

Gab es die Sorge, dass Ihr Kind auch an MS erkranken könnte?

Da MS an sich nicht vererbbar ist, waren unsere Bedenken eher klein.

Wie verlief Ihre Schwangerschaft?

Die Schwangerschaft war super. Ich war schubfrei und habe mich rundum wohlgefühlt.

Welche Herausforderungen bringt das Leben mit Kind für Sie in Bezug auf die Krankheit mit sich?

Es ist alles ein bisschen anstrengender. Mein Mann kann keine weiten Strecken laufen. Da müssen wir neben dem Kinderwagen auch immer den Rollstuhl mitnehmen. Das Autofahren ist auch so gut wie nicht möglich. Wenn wir weiter weg wollen, benötigen wir immer einen Fahrer. Hinzu kommt meine Müdigkeit, aber mein Mann und ich versuchen, uns bestmöglich zu arrangieren und das Familienglück zu genießen.

 MS verändert das Leben von einem Tag auf den anderen!

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