In Deutschland leiden mindestens 120.000 Menschen unter quälenden Clusterkopfschmerzen. Was sind die typischen Symptome?

Clusterkopfschmerzen zeichnen sich durch eine ganz typische Charakteristik aus. Es handelt sich um stärkste, nahezu nicht aushaltbare Schmerzattacken, die streng einseitig vor allem im Bereich des Auges auftreten. Patienten beschreiben dies häufig so: „Als werde ihnen ein heißes Messer durch das Auge getrieben.“ Dabei ist das Auge zumeist gerötet, die Nase läuft auf der Kopfschmerzseite oder ist auch verstopft.

Während der Schmerzattacken, die zwischen 15 und 180 Minuten andauern, laufen die Betroffenen zumeist herum. Manche schlagen sogar den Kopf gegen die Wand, weil sie die Schmerzen nicht aushalten können.  Meist treten mehrere Attacken pro Tag, vor allem auch in der Nacht, auf. Gehäuft kommt es zu Attacken im Herbst und im Frühjahr, im restlichen Jahr sind Betroffene dann auch oft beschwerdefrei. Unter dieser Erkrankung leiden mehr Männer als Frauen.

Bei diesen eindeutigen und starken Anzeichen ist die Diagnose sicher schnell getroffen, oder?

Leider nicht. Oftmals dauert es mehrere Jahre, bis die richtige Diagnose gestellt wird. Viele Patienten lassen teils unnötige Therapien wie zum Beispiel Zahnentfernungen über sich ergehen, in der Hoffnung, Schmerzlinderung zu erfahren.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Clusterkopfschmerz?

Man unterscheidet eine Akuttherapie von der Therapie, die dazu dient, die Attacken gänzlich zu stoppen. Akut können Patienten 100-prozentigen Sauerstoff inhalieren, was die Attacke oft nach wenigen Minuten stoppen kann. Zusätzlich oder alternativ gibt es auch ein Nasenspray und einen Fertigpen, die die Attacken auch zuverlässig durchbrechen können.

Beide Arzneiformen können Patienten selbst anwenden. Kortison dient dazu, die ganze Clusterepisode zu beenden. Daneben gibt es noch weitere Medikamente, die dann eingesetzt werden könnten, wenn Kortison alleine nicht hilft.

Kann man den Attacken vorbeugen?

Nicht wirklich, in einer Clusterepisode können Alkohol und bestimmte Medikamente (zum Beispiel Nitrospray) Attacken auslösen. In einer kopfschmerzfreien Phase gibt es keine klaren Trigger vom Clusterkopfschmerz.

Welche Ursachen hat der Clusterkopfschmerz? Ist die Krankheit vererbbar?

Wahrscheinlich spielen genetische Faktoren eine wichtige Rolle beim Clusterkopfschmerz. Teilweise sind auch mehrere Familienmitglieder betroffen. Die Krankheit ist wahrscheinlich bedingt durch eine Störung im Hypothalamus. Dabei handelt es sich um ein Gehirn-
areal, das sowohl für die Regulation vom Tag-Nacht-Rhythmus als auch für die Schmerzregulation verantwortlich ist.