Kommt es einmal zu Störungen dieser automatischen Abläufe, ist die Neurologie gefordert. Das Fachgebiet der Neurologie beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der Diagnostik, Therapie und Rehabilitation von Erkrankungen, die diese lebensnotwendigen Gehirnfunktionen beeinträchtigen. Solche können akut, wie beispielsweise beim Schlaganfall, oder langsam zunehmend, wie etwa bei der Alzheimer- oder Parkinsonerkrankung, dauerhafte und unwiederbringliche Schädigungen des Zentralnervensystems bewirken. Ferner existieren auch Erkrankungsbilder, die zwar keinen anhaltenden Funktionsverlust des Gehirns bedeuten, aber durch ihren wiederkehrenden und zuweilen sehr leidvollen Charakter zu einer erheblichen Einschränkung der Lebensqualität bei den Betroffenen führen, wie es beispielsweise der Migränekopfschmerz mit sich bringt.

Große Fortschritte in der Patientenversorgung

Durch die fortwährende Erforschung, die Anwendung moderner bildgebender Verfahren, die Weiterentwicklung der neurologischen Notfallmedizin und die Etablierung neuer Therapiestrategien, hat die Neurologie in den vergangenen Jahrzehnten erfreulicherweise große Fortschritte in der Patientenversorgung gemacht. Beispielgebend hierfür sind die Innovationen bei der Behandlung der Parkinsonerkrankung, in der bereits langjährig ein Ausgleich von veränderten Botenstoffkonzentrationen des Gehirns durch die Zuführung dopaminerger Substanzen in Form von Tabletten, Pflastern oder Pumpen mit direkter Medikamenteneinspritzung unter die Haut oder in den Dünndarm sehr erfolgreich zur Anwendung kommt.

Einen weiteren Meilenstein in der symptomorientierten Behandlung des Morbus Parkinson stellt ein vor mehr als 20 Jahren eingeführtes operatives Verfahren dar, die tiefe Hirnstimulation. Diese Methode hat in jüngster Zeit erhebliche technische Innovationen zur Verbesserung der Therapieergebnisse unter anderem durch eine noch gezieltere Anwendung der Stimulationsfelder im Gehirn erfahren, über die Sie in einem der nachfolgenden Beiträge informiert werden.

Eine weitere Behandlungsrevolution stellt der Einsatz von speziell biotechnologisch hergestellten Antikörpern dar, die unter anderem zur Unterdrückung der Entzündungsreaktion des Gehirns bei der Multiplen Sklerose oder seit Neuestem auch zur Blockade eines für die Auslösung von Kopfschmerzattacken verantwortlich gemachten Botenstoffes, des sogenannten Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP), bei einer bislang unzureichend behandelbaren Migräne zur Verfügung stehen.

Rückschläge bei der Entwicklung neuer Therapieverfahren

Trotz dieser enormen Fortschritte gibt es allerdings auch Rückschläge bei der Entwicklung neuer Therapieverfahren, wie zuletzt in einer groß angelegten und vor wenigen Wochen beendeten Studie mit dem Antikörper Aducanumab, der sich bei der Alzheimererkrankung gegen die vermehrte Ablagerung des Eiweißkomplexes ß-Amyloid richtete und bedauerlicherweise keinen Erfolg für die teilnehmenden Patienten erzielen konnte, sodass bei dieser zunehmend auftretenden, schwerwiegenden Erkrankung die Hoffnung auf eine schnelle Lösung aktuell zerschlagen wurde.


Und dennoch wird die Dynamik des Wissenszugewinns in der Neurologie, einer der medizinischen Schlüsseldisziplinen des 21. Jahrhunderts, voraussichtlich auch in den kommenden Jahren kontinuierlich zunehmen und dabei das Therapieangebot bei neurologischen Erkrankungen erweitern, was mit Herausforderungen für die behandelnden Ärzte verbunden sein wird, aber auch die Kostenträger in erheblichem Maße betrifft. Umso wichtiger erscheint es daher, dass Patienten und deren Angehörige über die Chancen und Risiken neuer Entwicklungen stets gut informiert sind.