Auch wenn wir jahrelang Stein und Bein schwören, unsere Liebsten unter gar keinen Umständen in ein Heim zu geben, so sollten wir doch bei aller Liebe und allen guten Vorsätzen weitsichtig, klug und vernünftig sein und uns beizeiten um eine Betreuungsalternative für den Notfall kümmern.

Das Konzept der Demenz-WG bietet die Chance, dass Demenzkranke länger selbstbestimmt leben können.

Je nach Geldbeutel und Wohnsituation können sie sich zunächst einmal darüber informieren, ob eine 24-Stunden-Betreuung in Frage kommen könnte. Vermittlungsagenturen oder die Deutsche Arbeitsagentur sind hier die richtigen Ansprechpartner.

Eine Betreuung in häuslicher Gemeinschaft hat natürlich enorme Vorteile: Der Erkrankte kann in seiner gewohnten Umgebung bleiben und für sie selber wird es eine große Entlastung und Unterstützung sein. Sie müssen mit einem Kostenaufwand von ca. 2.000 Euro rechnen.

Wenn dieses Betreuungsmodell - aus welchen Gründen auch immer - für sie nicht umsetzbar ist, können sie sich als weitere Alternative Wohngemeinschaften für Menschen mit Demenz anschauen. Dort leben etwa 6 bis maximal 12 Personen als Mieter in einer Wohnung zusammen und werden durch einen ambulanten Pflegedienst betreut.

Das Konzept der Demenz-WG bietet die Chance, dass Demenzkranke länger selbstbestimmt leben können. Angehörige werden entlastet, trotzdem ist ihre Mithilfe im Alltag erwünscht, ebenso das Mitwirken der Bewohner.

Als die Notwendigkeit, meinen Liebsten woanders als in den eigenen vier Wänden, betreuen zu lassen noch in weiter Ferne lag, hatte ich mir ganz in Ruhe und ohne Zeitdruck verschiedene Pflegeheime in der näheren Umgebung angeschaut, was am Ende des Tages eine kluge Entscheidung war. Für den Moment wollte ich ja nur mal gucken, mich informieren, ganz freiwillig und einfach nur so.

Das erste Haus, das ich besichtigte, lag direkt an einer stark befahrenen Hauptstraße und ich mochte es nicht, noch ehe ich es betreten hatte, obwohl ihm ein guter Ruf vorauseilte. Im Foyer, dem sich eine Art Restaurant oder Kantine anschloss, roch es extrem nach Essen.

Der Leiter, mit dem ich verabredet war, fuhr mit mir in die zweite Etage und wir landeten direkt im Mittelpunkt des Geschehens in einer Art  Aufenthaltsraum ohne Fenster, aber mit einem großen Tisch in der Mitte, an dem einige alte Menschen vor halb leergegessenen Tellern saßen. Das Pflegepersonal war komplett in weiß gekleidet, wie in einem Krankenhaus.

Mein Bauch sagte sofort nein und mein Kopf auch. Im Abstand von wenigen Tagen besuchte ich noch zwei weitere Häuser die mir auch nicht gefielen und schließlich, ganz in unserer Nähe, noch ein letztes und Bingo, ich hatte ein Pflegeheim gefunden, in das ich sogar selber eingezogen wäre.

Es gab fünf Wohneinheiten mit jeweils maximal zehn Bewohnern, schöne Zimmer, die mit eigenen Möbeln eingerichtet werden konnten, und ein eigenes Bad, eine große, gemütliche Wohnküche mit angrenzendem Wohnzimmer sowie einen weitläufigen Garten mit Grillecke, Gartenmöbeln, Bänken und einem Strandkorb. Das Pflegepersonal war praktisch, aber leger angezogen, die Bewohner sahen gepflegt aus und über allen Räumen schwebte ein angenehmer Duft.
 
Bei der Auswahl eines passenden Pflegeheims spielen natürlich viele Faktoren eine Rolle. Worauf sie besonders achten sollten: Es muss genügend Pflegepersonal vorhanden sein und auch Mitarbeiter mit einer gerontopsychiatrischen Ausbildung; flexible Besuchszeiten; eine freundliche Atmosphäre; respektvoller Umgang mit den Bewohnern; die Möglichkeit, das Zimmer mit eigenen Möbeln zu gestalten sowie ein spezielles Konzept zur Betreuung von Menschen mit Demenz.

Wenn diese Vorgaben erfüllt sind und auch ihr Bauchgefühl mit dieser Wahl einverstanden ist, lassen sie sich am besten auf eine Warteliste setzen. So sind sie dann für den Notfall gewappnet, wenn sich die häusliche Situation einmal dramatisch über Nacht verändern sollte.