Besonders Pflegende von Demenzkranken haben es schwer. Die meisten Europäer möchten im Krankheitsfall zu Hause gepflegt werden. Die Pflege kranker Menschen im häuslichen Umfeld bedeutet immer eine enorme Belastung für die pflegenden Angehörigen.

Besonders Demenzkranke müssen aufgrund ihres zunehmenden Verlustes an Gedächtnisleistung, Sprachverständnis und Orientierung besonders intensiv betreut werden. So benötigt jeder zweite Demenzerkrankte in der fortgeschrittenen Erkrankungsphase mehr als zehn Stunden Pflegezeit.

Der pflegende Angehörige lernt, sich in die veränderte Welt des Kranken hineinzuversetzen. Während er damit dem Demenzerkrankten zum Überleben verhilft, verliert er gleichzeitig selber einen Teil seines eigenen vertrauten Lebens.

Eigenes Leben vernachlässigt

Pflegende Angehörige – insbesondere die Ehepartner – drohen damit, selbst zu erkranken. Durch die Pflege und Beaufsichtigung der Erkrankten wird die eigene Gesundheit häufig vernachlässigt. Sport, eigene Hobbies oder soziale Begegnungen finden im eigenen Leben keinen Raum mehr. 

Bis zu 85 Prozent der Pflegenden entwickeln eine Depression, bis zu 45 Prozent eine Angsterkrankung. Durch die körperliche und seelische Belastung nehmen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes zu und führen zu einem frühzeitigen Sterberisiko. Es ist in dieser Situation naheliegend, zu glauben, dass die Umsiedlung der Demenzerkrankten in ein Heim die Angehörigen entlasten oder gar befreien könnte.

Während die körperliche Anstrengung des Pflegenden sinkt, steigen häufig innere Konflikte, es nicht für die gesamte Lebenszeit gemeinsam geschafft zu haben, und die Trauer über die räumliche Trennung.

Denn trotz hoher Belastung durch die Pflege von Alterserkrankungen gaben in der Eurofamcare-Befragung über die Hälfte aller pflegenden Angehörigen an, ihre Aufgabe aus Liebe und Zuneigung zu erfüllen, andere aus moralischer Verpflichtung und lediglich drei Prozent mangels einer Alternative.

Soziales Umfeld ist wichtig

Was also kann pflegende Angehörige schützen? Der Pflegende muss möglichst frühzeitig über die Diagnose Demenz aufgeklärt und im richtigen Umgang mit dem Erkrankten geschult werden. Ebenso sollte das soziale Umfeld den Pflegenden vermitteln, dass seine individuelle Situation wahrgenommen wird.

Wenn die Anerkennung hoch ist, dann ist es den Angehörigen möglich, trotz aller Verluste in ihrem persönlichen Leben ein Selbstbewusstsein für ihr Schaffen in der Pflege zu entwickeln, das ihnen körperliche und seelische Kraft verleiht und sie vor gesundheitlichen Schäden schützen kann.