Sie haben einen Hirninfarkt erlitten. Können Sie schildern, wie das passiert ist?

Ich erhielt im Frühjahr 2015 die Diagnose Brustkrebs. Darauf fing ich mit einer Chemotherapie an, die bis circa Mitte August ablief. Sie war erfolgreich, denn der Krebs verschwand. Das Problem war nur, dass ich in der Folge eine Lungenentzündung bekam. Mein Immunsystem war aufgrund der Krebsbehandlung einfach zu geschwächt. Leider haben die Ärzte aber die Entzündung nicht ausreichend in den Griff bekommen. Die Medikamente erzielten keine Wirkung, sodass die Mediziner mich in ein künstliches Koma versetzten. Irgendwann sagte mein Körper dann aber „Jetzt reicht’s“ – und ich erlitt einen Hirninfarkt. Es war einfach Pech.

Wie haben Sie auf die Diagnose reagiert?

Man teilte sie mir mit, als ich aus dem Koma wieder erwachte. Ich war natürlich geschockt. Genauso wie mein Mann und meine zwei Töchter.

Welche Folgen hatte der Hirninfarkt für Sie?

Glücklicherweise war meine geistige Verfassung weiter in Ordnung. Ich wurde dennoch erst künstlich ernährt und erhielt eine Trachealkanüle, um meine Atmung zu sichern. Es dauerte deshalb ein paar Monate, in denen ich wieder lernen musste zu sprechen. Mit meiner Familie konnte ich mich nur schriftlich auf Papier verständigen.

Wie ging es nach Ihrem Krankenhausaufenthalt weiter?

Ich kam dann in eine Reha. Der Aufenthalt dort war jedoch durch die Bestimmungen der Krankenkasse zeitlich begrenzt. Da ich noch nicht laufen kann, im Rollstuhl sitze und unsere Wohnung nicht für meine Bedürfnisse umgebaut ist, empfahl man mir eine Reha, die spezialisiert ist auf Patienten mit einer Schädelhirnverletzung. In ihr lebe ich jetzt seit anderthalb Jahren.

Was war Ihnen bei dieser Auswahl wichtig und wie gestaltet sich Ihr Leben?

Ich lerne hier alles, was ich später wieder für ein selbstbestimmtes Leben benötige. Ich habe mein eigenes Zimmer mit eigenem Bad. Ansonsten leben wir hier mit 14 Personen in einem Wohnverbund mit einer großen Küche und Räumen, wo wir gemeinsam essen, spielen oder fernsehen können. Ich erhalte physio- und ergotherapeutische Behandlungen. Beispielsweise bin ich montags bis donnerstags von neun bis zwölf Uhr in der Textilen Arbeitstherapie. Das ist eine Art Belastungsprobe, um zu sehen, welche körperlichen Fortschritte ich mache.

Welche Fortschritte machen Sie denn?

Ich lerne momentan wieder zu stehen und komme hoffentlich irgendwann wieder ins Laufen. Das ist mein großes Ziel. Meine linke Körperseite ist inzwischen wenigstens wieder wahrnehmbar. Es kann sein, dass ich den linken Arm nie wieder bewegen kann. Aber man kommt im Notfall auch mit einem Arm klar. Meine Ärzte und ich sind zufrieden. Es war sicher förderlich, dass ich vor dem Unglück viel Sport gemacht habe.

Welche Auswirkung hat Ihre Erkrankung auf Ihr Berufsleben?

Ich habe früher als Kartografin gearbeitet. Aktuell bin ich unbefristet verrentet. Ich würde mir wünschen, dass ich langfristig wieder nebenbei arbeiten kann, eventuell von zu Hause aus.

Wie lässt sich die Reha mit Ihrem Familienleben vereinbaren?

Ich bin meistens am Wochenende zu Hause in Potsdam. Mein Mann holt mich dann mit dem Auto ab. In der Woche sehe ich die Familie nicht. Mein Mann muss arbeiten, unsere ältere Tochter ist am College in den USA und unsere jüngere geht noch zur Schule. Es sind meine Familie und meine Freunde, die mir in dieser schweren Zeit Kraft geben.